Argloser Badespaß war gestern   12 comments

Kinderpornographie
pervertierte Abschreckung
Und Instrument des Staates für Willkür.
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Entnommen Berliner Morgenpost vom 25.02.2014

Argloser Badespaß war gestern

Wir sind eine reinliche Familie. Das Wannenbad war bislang ein Spaß, zumindest für Hans. Er lud einen Doppelzentner Spielzeug in die Wanne, was sich zumindest positiv auf unsere Wasserrechnung auswirkte. Kaum war die Planscherei beendet, dauerte es höchstens eineinhalb Stunden, bis ich die ärgsten Spuren der Wasserschlacht beseitigt hatte.

Die Zeiten arglosen Badespaßes sind nun vorbei.
Mit jeder Pädophilie-Debatte tauchen Fragen auf, die sich die meisten Eltern früher nie gestellt hätten.
Ganz selbstverständlich wurde ich kurz nach dem Krieg am Strand der westfriesischen Insel Ameland fotografiert, wie ich textilfrei im Priel nach Einsiedlerkrebsen fischte, in einem Alter, da man sich weder Gedanken um Problemzonen oder Perverse machte. Lag damals hinter jeder Düne ein Irrer, der nackte Kinder fotografierte und die Bilder weltweit feilgeboten hätte, wäre das Internet erfunden gewesen?
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Waren wir arglos? Sind wir heute hysterisch? War der Maler Balthus ein Krimineller, weil er achtjährige Mädchen aus eindeutig lüsterner Perspektive porträtierte? Hätte eine Ausstellung im Berliner Museum für Fotografie 2013 verboten werden müssen, weil dort Aktbilder minderjähriger Knaben zu sehen waren?
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Was ist Kunst? Und was muss weg? Neulich hörte ich vom Fall eines Vaters, der sich im Scheidungsgetümmel erklären musste, weil er mit seiner kleinen Tochter in der Badewanne gesessen hatte. Die Mutter hatte dem Richter Handy-Bilder präsentiert, die Missbrauchsabsicht beweisen sollten. In manchen Berliner Sportvereinen wird ein Duschkrieg geführt. Eltern verbieten ihren Kindern, sich in der Kabine zu entkleiden. Früher war das Duschen eine Mischung aus Mutprobe und Initiationsritus. Die Kleinsten verdrückten sich nach dem Training ungewaschen und niedergeschlagenen Blickes, während die Größeren lässig das Handtuch um die Lenden geschlungen hatten. Erst wer sich traute, die Sporthose abzulegen und mit den anderen zu duschen, der gehörte dazu; ein Segen übrigens für Eltern und erste Freundinnen.
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Und heute? Wachen die Eltern in der Kabine, ob ihre Jungs auch Badehosen zum Duschen tragen. Trainer grummeln, weil ein unausgesprochener Vorwurf in der Kabine hängt dass jeder Lehrer, jeder Trainer, eigenlich jede männliche Person ein potentieller Pädophiler sein könnte.
Was ist berechtigte Sorge? Was ist Hysterie?
Ich frage mich allen Ernstes, und wenn? – Was ist da so schlimm daran, sofern Kindern keine Gewalt angetan wird und diese gegen ihren Willen nicht zu etwas genötigt werden? Das ist doch IRRSINN was da in der Gesellschaft abgeht. Mit der Begründun „Jugendschutz“ dürfen Kinder keinen nackten Menschen sehen und umgekehrt erwachsene Menschen keine nackten Kinder.

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Und vor allem: Was wird aus unserem Familienbaden? Wenn Hans in der Schule erzählt, er hocke mit seinem Vater unbekleidet und ohne juristische Grundlage in der Wanne, wird das Jugendamt bei uns einmarschieren?
Die Leichtigkeit ist jedenfalls dahin. Vielleicht sollten wir soviel Spielzeug in die Wanne laden, bis überhaupt kein Wasser mehr dazwischen passt. Dann müssen wir uns gar nicht ausziehen und können im Kinderzimmer bleiben. Und wie wird das Kind sauber? Wir könnten ihn bei Regen auf den Balkon stellen. Aber dann fotografiert bestimmt jemand von gegenüber.
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Wir werden wohl auswandern in ein Land, wo Menschen noch Menschen sein dürfen. Wo man noch unbekümmert Freude am Leben haben kann. Denn das was hier als „Gutmenschentum“ stattfindet, DAS ist ab-normal.

Mit den Vorwand Kinder zu Schützen wird mit der Vokabel “Kinderpornographie“ in einem noch die da gewesenen Ausmaß unsere Freiheit stranguliert. Aber keiner wagt es bei einer doch so humanistischen Absicht, zu protestieren. Dabei besteht noch nicht einmal Klarheit was darunter zu verstehen ist.
Es geht so weit dass man das Betrachten von Kinderbildern unter Strafe stellen will. Sie haben richtig gelesen,
das Betrachten eines Bildes. Was hat das noch mit dem Schutz von Kindern zu tun? – Gar nichts.
Kein einziges Kind wird dadurch geschützt.
Kinder werden vom Staat zur Rechtfertigung für eine lückenlose Volksüberwachung missbraucht.

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Kinderpornographie pervertierte Abschreckung

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Gruß Sabine

Veröffentlicht 25. Februar 2014 von sabnsn in Anstand / Moral / Politik, Politik

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12 Antworten zu “Argloser Badespaß war gestern

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  1. Eine nachdenkliche Geschichte

    Gegenwärtig ist das Volk hoch sensibilisiert wenn es um das Thema Kinderpornographie, Kindesmissbrauch, Pädophile und dergleichen geht. Was teilweise Ausmaße annimmt was selbst schon wieder kriminell ist.

    In diesem Lad bereits als Pädophiler verdächtigt zu werden, ist schlimmer als eine öffentliche Hinrichtung. Selbst eine 100%-ige Rehabilitierung kann den erlittenen Schaden NIE wieder gut machen. Der Makel als Pädophiler verdächtigt worden zu sein bleibt ein Leben lang haften. “Irgend etwas wird schon dran gewesen sein.“ So die allgemeine Volksmeinung. Obwohl seine Schuld nicht bewiesen ist, wird er auf das übelste angefeindet. Erhält anonym öffentliche Morddrohungen bis hin, dass man solche wie ihn satatt aufzuhängen, als Versuchstiere nehme sollte. Ich könnte noch mehr solcher Scheußlichkeiten anführen die zum Teil sogar illustriert sind.

    Hierzu eine kleine Geschichte die leider eine wahre Begebenheit ist:

    Ein Lehrer hat im Sportunterricht mit seinen Schülern Bockspringen durchgeführt. Dabei hat er hinter dem Bock gestanden und die Kinder ggf. Aufgefangen, um sie vor einem Sturz zu bewahren.
    Ein Mädchen hat zu Hause erzählt, dass Ihr Lehrer sie an die Titten gefasst hätte.
    Der Vater des Mädchens hat darauf hin umgehend eine Anzeige gemacht und der Lehrer wurde auf der Stelle vom Schuldienst suspendiert.
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    Anschließende Untersuchungen einschließlich Gerichtsverfahren haben sich über ein Jahr dahin gezogen. Zwischenzeitlich haben sich Freunde von im nach und nach zurückgezogen,
    Seine Ehe ist an den Beschuldigungen zerbrochen, das gemeinsame Haus musste verkauft werden und er ist auf einem großen Berg Schulden sitzen geblieben.
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    Obwohl nach über einem Jahr das Gerichtsverfahren ihn von dieser Anschuldigung frei gesprochen hat, ist eine Wiedereinstellung als Lehrer, an massiven Protesten von Eltern gescheitert. Letzten Endes hat der Lehre Selbstmord begangen.
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    Zwei Jahre Später auf dem Abiball hat das Mädchen zum Besten gegeben, dass sie die ganze Geschichte erfunden hatte.

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    Gruß Sabine

  2. Hallo Sabine,

    es ist unfassbar wie weit das mit dem angeblichen Schützen von Kindern geht. Dürfen Eltern noch ihre Kinder beim baden fotografieren? Aber zu was fotografieren, wenn man dann die Bilder nicht betrachten darf bzw. wenn die Polizei dann vor dem Haus steht, weil vielleicht von einem Moralapostel das Fotografieren beobachtet und der (Sitten)-Polizei gemeldet wurde. Die könnten dann ja die Speicherkarte der Digitalkamera beschlagnahmen und schon wäre man als Pädophiler oder zumindest als Sittenstrolch gebrandmarkt. Gemeinsam in der Badewanne mit Kindern kann schon schwere Folgen nach sich ziehen, zum Beispiel nach einer Scheidung. Das kann schnell als Kindesmissbrauch gedeutet werden. Welche gesellschaftliche Ächtung das zur Folge hat ist ja bekannt. Das geht so weit, dass sich Leute das Leben nehmen, wie Du das in deinem Kommentar über das tragische Schicksal des Lehrers geschildert hast.
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    Hier noch ein kurzer Artikel von focus.de, in dem es über die Prüderie in den USA geht.
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    Prüderie: Pack die Badehose ein
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    Eng anliegende Badeslips für Männer sind in den USA nicht üblich
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    Ob Pin-ups mit enormer Oberweite oder zu Halloween als Penis verkleidet – kein Zweifel: Sex ist allgegenwärtig in den USA. Weniger freizügig geht es allerdings am Strand zu. Barbusige Frauen haben hier nichts zu suchen, geschweige denn große oder kleine Nacktbader.
    Durch so viel Haut sehen sich die US-Amerikaner in ihrem Schamgefühl verletzt. In manchen Bundesstaaten ist dann schnell die Polizei zur Stelle. Selbst das Umziehen am Strand kann als Erregung öffentlichen Ärgernisses aufgefasst werden und eine Anzeige nach sich ziehen.
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    Beim Strandoutfit für Männer können die Polizisten zwar nicht einschreiten, trotzdem empfiehlt sich für die Herren der Schöpfung eine knielange Badehose. Mit einer kleinen, engen „Speedo“, wie sie in den USA abfällig genannt wird, erntet Mann nur verächtliche Blicke. Es sei denn, wir befinden uns am „Gay Beach“ oder bei den Olympischen Spielen. Michael Phelps, mehrfacher Goldmedaillensieger, darf sein knappes Höschen beim Schwimmen natürlich zur Schau stellen.

    http://www.focus.de/reisen/usa/tid-19186/kulturschock-usa-pruederie-pack-die-badehose-ein_aid_532052.html

    Gruß Hubert

  3. Der geistige Mob in Deutschland hat wieder mal ein gefundenes Fressen: Pädophilie.
    Angestachelt von einer ebenso verantwortungslosen wie gewinngeilen Boulevardpresse, die ansonsten die Voyeursgelüste des Publikums mit den „geilen Möpsen“ irgendwelcher It-Girls befriedigt, schäumen die Empörungswellen hoch. Ungeachtet der besonnenen Erklärungen seriöser Sexualwissenschaftler und Psychologen wird die pädophile Neigung mancher Menschen gleichgesetzt mit Kinderpornographie; die böse Vokabel vom „Kinderschänder“ wird ebenso wutschnaubend wie gedankenlos angewendet. Ein sachlicher Diskurs scheint in diesen Zeiten einer kollektiven Entrüstung kaum möglich.
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    Profilierungssüchtige Politiker erwägen Gesetzesänderungen, um den Erwerb von Nacktfotos unter Strafe stellen zu können; ein Museum muss darum bangen, ob es die Bilder junger Mädchen des berühmten Malers Balthus noch ausstellen kann. Wenn die aus den USA – dem Land der härtesten Pornoproduktionen – herüberschwappende, durchweg „christlich“ argumentierende Prüderie weiter um sich greift, dann werden wohl bald antike Jünglingsstatuen Schamtüchleich vor die Genitalien gebunden bekommen und die fröhlichen Putten in den Barockkirchen ihrer unschuldsvollen Nacktheit beraubt. Denn das Millionenheer der selbsternannten Moralhüter wittert nun überall, den Pädophilen könne mit solcher Zurschaustellung Vorschub geleistet werden.
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    Wie üblich, haben weder das BILD-konsumierende Lieschen Müller noch die ZEIT-lesende Dr. Lieselotte Müller-Weißbescheid die geringste Ahnung davon, welche Bewandtnis es mit der Pädophilie hat; sie vermögen ebenso wenig wie Otto Normalo zu unterscheiden zwischen emotioneller Hinwendung, sinnlichem Reiz und sexueller Aktivität. Zwar sollte zwischen Sich-hingezogen-Fühlen und körperlicher, womöglich gewaltsamer Attacke in der Beurteilung getrennt werden, doch Gedankenschärfe ist dem allergrößten Teil der Gesellschaft viel zu mühsam, die Gleichung Pädophilie = Kinderpornographie = Kinderschänder ist da weitaus bequemer.
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    Und so wird, wer nur im entferntesten pädophiler Neigung verdächtigt wird, jeder als Wüstling sofort ausgegrenzt und sozial geächtet. Ob das wohl auch die Leser des zauberhaften Buches „Alice im Wunderland“ mit dessen Autor nachträglich tun wollen, weil Lewis Carroll, eindeutig belegt, einen Hang zu ganz jungen Mädchen hatte? Oder wie ist das mit dem Schöpfer des „Schimmelreiter“, dem Amtsgerichtsrat und Dichter Theodor Storm? Aus Anlass einer neuen Storm-Biographie hat Tilman Krause in der Tageszeitung „Die Welt“ eine ausführliche Würdigung des Lyrikers und Novellisten publiziert. Krause geht dabei auch ausführlich auf Storms pädophile Neigung ein, wobei durchaus die gewählte Überschrift „Der sexuelle Trieb war Theodor Storm Antrieb“ als etwas zu reißerisch moniert werden kann.

    Quelle: „Morgenblatt“ Blog.de

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    Gruß Sabine


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    Der sexuelle Trieb war Theodor Storm Antrieb

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    Die Pädophilie eines Schulklassikers: Zum 125. Todestag Theodor Storms ist eine neue Biografie erschienen. Sie lässt seine sexuelle Abweichung als geheimes Zentrum seines Werks erkennen.
    Von Tilman Krause

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    „Heute, nur heute bin ich so schön; morgen, ach morgen, muss alles vergehen.“ Haben wir das noch im Ohr? Oder auch dies: „Herbst ist gekommen, Frühling ist weit – Gab es denn einmal selige Zeit?“ Und natürlich das: „Ich habe immer, immer dein gedacht. Ich möchte schlafen, aber du musst tanzen.“ Das alles und noch viel mehr von seiner eingängigen Wehmutslyrik gehörte einst zum Kernbestand unserer Literatur, gehört es für viele Landsleute noch immer. Zumindest wer heute älter als 50 ist, wuchs noch mit diesen Werken auf. Deutsche Sehnsucht, deutsches Gemüt und deutsche Innerlichkeit – das alles verbindet sich mit Theodor Storm, dessen Todestag sich am 4. Juli 2013 zum 125. Mal jährte.
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    Den letzten Romantiker hat man ihn genannt, und in der Tat: Mit Theodor Storm ging eine ganze Epoche künstlerischen Ausdrucks zu Ende. Eine Epoche, in der es noch möglich war, dass ein Schriftsteller seine produktive Kraft im Grunde in den Dienst von lediglich zwei Themen stellte, die er dann aber auch in allen Facetten gestaltete.
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    Gescheitertes Leben, gescheiterte Liebe: Darum drehte sich das kreative Zentrum seines Denkens, Fühlens, Schreibens. Immer wieder hat er sie bearbeitet. Völlig ungebrochen. Und ohne jemals bei rationalen Erklärungsversuchen seine Zuflucht zu suchen, sieht man einmal davon ab, dass er, ganz im Stil des späten, wissenschaftsgläubigen 19. Jahrhunderts, gern auf die „Erbanlagen“ als „Schicksalsmacht“ verwies. Immer wieder kann Theodor Storm sagen, was er als Fazit ans Ende einer seiner berühmtesten Novellen stellte: „Es ist Alles doch umsonst gewesen.“
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    Aber wie viel Zauber, wie viel verführerische Sangbarkeit liegt in diesem „Umsonst“! Thomas Mann, Storm als Norddeutscher wesensverwandt, hat diesbezüglich einmal vom „Griff an die Kehle“ gesprochen, denn wer Storms Gedichte liebt, der liebt sie, weil sie ihn aufschluchzen lassen. Wer wollte leugnen, dass es nicht immer edle Tränen sind, die Storm zum Fließen brachte. Seine Gefühlsbetontheit gleitet vor allem in seinen Prosatexten immer wieder ins Rührselige ab. Das ist nicht unbemerkt geblieben, und so haftet dem Dichter Theodor Storm bei vielen Lesern das Verdikt vom Edelkitsch an.
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    Man kann folglich heute wohl nur ein zwiespältiges Verhältnis zu diesem Dichter haben. Und da macht Storms jüngster Biograf keine Ausnahme. Jochen Missfeldt, der nach langer Zeit einmal wieder im großen Stil das Leben des Theodor Storm erzählt, hat ein erfrischend kritisches Verhältnis zum Gegenstand seiner Bemühungen.
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    Zwar ist Missfeldt ein Landsmann, er wurde 1941 in Satrup geboren und lebt heute in Nordfriesland. Zwar schwört er seine Leser gleich auf den allerersten Seiten in langen, von Begeisterung befeuerten Passagen auf die landschaftlichen Besonderheiten einer Region ein, die mit ihren Halligen und Deichen, mit ihren tiefen Himmeln und dramatischen Wolkenbänken auch heute noch bezaubern kann. Aber das ist dann auch bereits alles, was der Autor an identifikatorischer Annäherung an das Objekt seiner Forschung aufbringt. Vielleicht auch deshalb, weil er selbst kein ganz unbedeutender Schriftsteller ist und nicht in den Ruf eines Storm-Verwandten kommen möchte? Begreiflich wäre es.
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    Doch wie auch immer: Diese Darstellung profitiert sehr davon, dass Jochen Missfeldt Land und Leute, die Storms Umfeld abgaben, aus eigenem Erleben kennt. Eigentümlichkeit und Eigensinn des Schleswig-Holsteiners von der Westküste ist in vielen Fällen der Humus gewesen, auf dem ein unverwechselbares Werk entstand, siehe Hebbel, siehe Mommsen, siehe Klaus Groth. Auch bei ihnen war die Verbundenheit mit der Heimat groß.
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    Aber bei keinem ging sie wohl so weit wie bei Storm, der nach elf Jahren im „preußischen Exil“, wie er es nannte, mit fliegenden Fahnen 1864, nach dem siegreichen Krieg gegen Dänemark, nach Husum zurückkehrte. Hier und nach seiner Pensionierung aus dem Staatsdienst dann in Hademarschen pflegte er bis ans Lebensende seine antipreußischen Ressentiments, träumte weiterhin seinen unrealistischen Traum von einem freien, stolzen, unabhängigen Schleswig-Holstein.
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    Man hat vor allem nach 1968 Storms antipreußische Affekte seinem angeblich so ausgeprägten politischen Bewusstsein zugutehalten wollen. War er unter den Nazis für die „Blut-und-Boden-Dichtung“ vereinnahmt worden, so kramte man nun Storms kritische Äußerungen gegen Adel und Militär hervor. Auch dass sich Storm als Richter für die Abschaffung der Todesstrafe aussprach, wurde positiv vermerkt, jedoch unterschlagen, mit welchen Argumenten: Storm war gegen die Todesstrafe, weil er fand, man könne einem zivilisierten Menschen nicht zumuten, einen anderen abzuschlachten. Er hatte also Mitleid mit dem Henker, nicht etwa mit dem Delinquenten. Darauf muss man erst mal kommen! Insgesamt wird man jedenfalls wohl dem politischen Menschen Theodor Storm ganz gut gerecht, wenn man auch hier die „Friesenseele“ in Rechnung stellt, die Jochen Missfeldt so sehr an ihm betont.
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    Und Storms Aristokratismus, wie Missfeldt es nennt. Es handelt sich dabei um den Aristokratismus des Bildungsbürgers. Er gab viel darauf, „von Familie“ zu sein. Er selber brachte es mit 25 Jahren zu einer eigenen Anwaltskanzlei. Seinen beruflichen Weg ging er vollkommen geradlinig und problemlos. Umso mehr schmerzte es ihn, dass seine drei Söhne sich so schwertaten, sich in die Arbeitsgesellschaft ihrer Zeit zu integrieren. Zu Anpassern hatte er sie aber auch nicht erzogen. Vielmehr hat er sie in seinem berühmt gewordenen Gedicht „Für meine Söhne“ dazu angehalten, jene stolze Unabhängigkeit im gesellschaftlichen Umgang an den Tag zu legen, die auch der Herr Papa für sich als passend in Anspruch nahm.
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    „Erfrischend wie Gewitter“ seien „zu Zeiten“, reimte er, „goldene Rücksichtslosigkeiten.“ Und ganz wichtig war Storm auch folgende Empfehlung: „Was du immer kannst zu werden,/ Arbeit scheue nicht und Wachen;/ Aber hüte deine Seele/ Vor dem Karriere-Machen.“ Auch hier sprach der Mann von Rang, der den sozialen Aufstieg nicht mehr nötig hatte. Sprach daraus vielleicht sogar der Absteiger?
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    Thomas Mann zumindest, der ja immer gern in anderen Dichtern sah, was ihn selbst ausmachte, hielt Theodor Storm für den klassischen „Vollender“, für einen Spätling der eigenen Sippe, in dem sich seriöse Bodenständigkeit vergeistigt und in eine künstlerische Potenz emporentwickelt, von der es im Grunde nur noch zum Absturz kommen kann. Dieser Sicht scheint sich Storms Biograf Missfeldt anzuschießen: „Am Ende seines Lebens schafft der Künstler Storm unter der Herrschaft seines Krebsleidens und angesichts der eigenen Familientragödie sein größtes, bedeutendstes Werk, den ,Schimmelreiter‘: einen Roman vom Verfall und Untergang einer Familie.
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    Theodor Storm stirbt kurz nach der Vollendung seines großen Werks, und während seine Gedichte und Erzählungen sich unter den besten der deutschen Literatur behaupten, sinkt seine Familie, sinken Frau, Kinder und Kindeskinder, ins gesellschaftliche Mittelmaß hinab. Die Storms landen in Bedeutungslosigkeit und Entbehrung, in Verruf und Unglück.
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    Storm hat unter den vielen Schicksalsschlägen in seiner Familie kolossal gelitten. Vor allem beschäftigte ihn das Drama seiner Söhne. Die Erzählung „Ein stiller Musikant“ reagierte umgehend auf einen verzweifelten Brief des jüngsten Sohnes Karl, der sich zum Musiker ausbildete und dabei feststellte, dass er zu schüchtern sei, um seine Talente vor Publikum zur Geltung zu bringen. Daraus wird bei Storm – durchaus die Dimensionen erweiternd – ein origineller Beitrag zur deutschen Künstlernovelle, indem er einen Musiker erfindet, der aus „Angst vor der Welt, Angst vor dem Leben“ am Ende nicht nur in der Kunst, sondern auch in seiner persönlichen Existenz scheitert.
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    Dass diesem Zauderer die ganze Sympathie des Erzählers gehört, könnte zu seinen Gunsten sprechen, wenn man bedenkt, dass in der Entstehungszeit von „Ein stiller Musikant“, um 1875 also, zunehmend ein soldatisch-heroisches Männerbild dominiert. Doch man stößt sich an der Rührseligkeit, die hier alles überzieht. Hinzu kommt die Frage, die man sich unwillkürlich stellt, wenn man die Hintergründe kennt: Wie hat dieses Vorgeführtwerden wohl auf den Sohn gewirkt?
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    Ganz ohne jede Frage Meisterwerke sind jedoch die beiden späten Novellen geworden, die vom Werdegang Hans Storms, des Dichters Ältestem, inspiriert sind. Das Vater-Sohn-Drama, diese ganz spezielle Dynamik, die sich ergibt, wenn ein Vater sich gegen das Verderben seines Sohnes stemmt und am Ende doch nichts dagegen ausrichten kann, wird in einer mitfühlenden Variante in der Novelle „Carsten Curator“ und in einer hartherzigen, in der Novelle „Hans und Heinz Kirch“, durchgespielt. „Carsten Curator“ entsteht, als Hans Storm lediglich zum ersten Mal durchs Examen fällt; „Hans und Heinz Kirch“ hingegen einige Jahre später, als der Unglücksrabe auch noch als Arzt gekündigt wird.
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    Auch hier entfernt sich der Dichter wieder weit vom lebensweltlichen Ereigniskern und zielt auf etwas Größeres: den „Verfall einer Familie“, den Thomas Mann dann mit den „Buddenbrooks“ zum Thema der Epoche machen wird. Storm gibt hier, wie sonst nur noch im „Schimmelreiter“, sein Bestes, weil er das Scheitern seiner Untergeher nicht, wie im „Stillen Musikanten“, zu einer auf gequälte Weise heiteren „Resignation“ verkitscht, sondern weil er das Unausweichliche packend und schonungslos und mit seinem ganzen Stimmungszauber schildert, der sich noch erhöht, weil er zwei herzzerreißende Liebesgeschichten hineinverwebt.
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    Storm ist hier auch deshalb so gut, weil ihm außer der Empathie auch Schuldbewusstsein die Feder führte. Er glaubte fest daran, dass er das Scheitern seinen Söhnen mitgegeben habe, dass sich in ihnen jene Züge radikalisierten, die er auch in sich selber wusste: Zügellosigkeit, Anpassungsschwierigkeiten, Skepsis gegenüber jenem „bürgerlichen Leben“, an dem die Söhne sich die Zähne ausbissen, sowie nicht zuletzt ein geheimes Abweichen vom normalen Eros. Ja, Storm liebte nicht, wie die Mehrheit liebt.
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    Es gehört seit Langem zum Wissen der Forschung, dass Theodor Storm pädophil veranlagt und tief fasziniert von Mädchen im Übergang zur Pubertät war. Aber dass dieser Umstand ihn befähigte, dem Elementarversagen anderer Menschen mit Verständnis zu begegnen, das ist noch nicht genügend berücksichtigt worden, und wir sehen nun in dieser Biografie von Jochen Missfeldt verdienstvollerweise Ansätze, dieses geheime kreative Zentrum herauszuschälen, das offenbar bei diesem Autor ähnlich werkbestimmend und wahrnehmungsprägend war wie die Homosexualität Thomas Manns oder Marcel Prousts. Natürlich wird man aus heutiger Sicht Homosexualität und Pädophilie nicht auf eine Stufe stellen wollen. Als quälendes Bewusstsein einer – damals – gleichermaßen zu unterdrückenden Neigung setzte es aber ähnliche Energien frei.
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    Storms Pädophilie führt aber auch zu stereotypen Figuren. Da er einer Liebe huldigte, die – mit Oscar Wilde zu sprechen – ihren Namen nicht zu nennen wagt, schaffte der Autor sich Chiffren und immer wiederkehrende Konstellationen, um von seiner ihn bedrängenden, aber eben auch beglückenden Neigung sprechen zu können. Da wären zunächst die beständig wiederkehrenden Kinderlieben. Dann stößt man auch oft auf Protagonisten, die als halbe Kinder zum ersten Mal mit der Macht der Sinnlichkeit konfrontiert werden. Und oft gibt es eben auch die Ansprechbarkeit der männlichen Hauptfiguren auf Mädchen zwischen zehn und 13 Jahren.
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    Wie leider fast immer, wenn die Hormone Regie führen, wirkt die Beschreibung von Storms geheimen Objekten der Begierde seltsam unpersönlich und standardisiert. Seine Kindfrauen haben alle kleine Füßchen, Händchen, Schühchen und dergleichen; aber darüber hinaus zeichnet sie eigentlich nur eines aus: Dass sie eben 13 Jahre alt sind und leidlich hübsch aussehen. Aber in seinen besten Stücken hat Storm aus seiner unmöglichen Veranlagung hohe Funken geschlagen. Dann entsteht der unvergessliche Wehmutston seiner Lyrik, der unverwechselbare Mitleidsklang seiner Novellen über gescheiterte Existenzen. Dann ist er ganz bei sich. Und überzeugt. Und so wird unversehens auch aus diesem kanonischen realistischen Erzähler des 19. Jahrhunderts ein Zeitgenosse der Moderne in all seiner Gebrochenheit.
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    Das kann man von den Berühmtheiten seiner Zeit, etwa Gottfried Keller oder Paul Heyse, nicht sagen. In ihnen saß nicht der Stachel erotischer Abweichung, und so blieben sie in der Ästhetik ihrer Zeit sehr stark befangen. Doch bei Storm, da gärt und bohrt etwas, da will etwas heraus aus den Beschränkungen der Bürgerwelt. Für diesen Impuls hat diese neue Biografie viel Sinn. Sie kann freilich die Genüsse und Erkenntnisse nicht ersetzen, welche die Lektüre von Storm selbst verschafft. Doch wer sich Missfeldts Perspektiven auf diesen Autor zu eigen macht und dann auf Erkundung seiner Texte auszieht, der wird schnell merken: In Storm steckt weit mehr, als das Klischee vom Schulbuchautor ahnen lässt.

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    Jochen Missfeldt: „Du graue Stadt am Meer“. Der Dichter Theodor Storm in seinem Jahrhundert. Hanser Verlag, München. 496 S., 27,90 €.

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    Gruß Sabine

  5. In diesem Zusammenhang kommt mir David Hamilton noch in den Sinn,
    dessen wunderbare Bilder in den 80ern um die Welt gingen.
    Und ich konnte niemals irgendwo lesen, dass er mit Pädophilie in Verbindung gebracht wurde.
    Und heute:
    Profilierungssüchtige Politiker erwägen Gesetzesänderungen, um den Erwerb von Nacktfotos unter Strafe stellen zu können; ein Museum muss darum bangen, ob es die Bilder junger Mädchen des berühmten Malers Balthus noch ausstellen kann.

    http://www.google.com/search?q=Balthus&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=fdARU8OUIcTLsgbmnoC4Dw&ved=0CAkQ_AUoAQ&biw=1680&bih=820

    Wie krank ist diese Gesellschaft schon . . . . abartig krank. Ich sage bewußt Gesellschaft, da das Volk das in seiner Obrigkeitshörigkeit hinnimmt.

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    David Hamilton (photographer)

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    http://www.google.com/search?q=David+Hamilton&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=6SIRU-qnJsKgtAazr4GYBg&ved=0CAkQ_AUoAQ&biw=1680&bih=820&dpr=1
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    David Hamilton – Laura les Ombres de l’Eté (S)


    http://www.4shared.com/video/QPqpM_e2ce/David_Hamilton_-_Laura__les_Om.html
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    David Hamilton – Saint Tropez Souvenirs (S)


    http://www.4shared.com/video/XfQb8HHBce/David_Hamilton_-_Saint_Tropez_.html

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    Gruß Sabine

  6. Die Provokation liegt ganz im Auge des Betrachters. Wer sich durch die Beschreibung der Wirklichkeit provoziert fühlt, hat offenbar ein Problem mit ihr.

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    Die Wirklichkeit umfasst das gesamte Spektrum, welches wir mit unseren Sinnen vermögen wahr zu nehmen.
    Die Wirklichkeit beruht auf der Realität unseres Daseins wozu auch pubertierende Kinder als Bestandteil unserer Existenz gehören. Dies aus unserer Wirklichkeit aus unserer Wahrnehmung verbannen zu wollenm, betrachte ich als Verbrechen am Schöpfungsakt, am Menschen allgemein. Es ist Bestandteil unseres Lebens. Ohne Kinder, ohne Kindheit ohne deren Pupertät würde es uns nicht geben.

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    http://www.google.com/search?q=Balthus&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ei=fdARU8OUIcTLsgbmnoC4Dw&ved=0CAkQ_AUoAQ&biw=1680&bih=820

    Das Museum Folkwang in Essen wollte Polaroids des französischen Künstlers Balthus ausstellen, die ein halbnacktes achtjähriges Mädchen zeigen. Nun wurde die Schau abgesagt.
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    In vielen Teilen der Welt hat die Kunst mit der Zensur zu kämpfen. Werke werden einfach aus Ausstellungen entfernt oder die Schauen ganz geschlossen. Neu ist zumindest hierzulande, wenn eine bereits angekündigte Ausstellung gar nicht mehr stattfindet. Das Museum Folkwang in Essen hat eine für April vorgesehene Fotografie-Schau des französischen Künstlers Balthus (1908-1991) abgesagt.

    http://www.welt.de/regionales/duesseldorf/article124530227/Maedchen-in-lasziven-Posen-und-weissen-Unterhosen.html [1]
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    Geplant war, Polaroid-Aufnahmen zu zeigen, die der damals über 80-Jährige von dem Mädchen Anna Wahli gemacht hatte. Wahli war zu Beginn der Aufnahmen acht Jahre alt, am Ende war sie 16. Balthus hat sie bei seinen Fotosessions stets sorgsam arrangiert. Oft war sie halbnackt.
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    Weil man nun in Essen unter anderem das Einschreiten des Jugendamts befürchtete, wurde die Schau also gestrichen. Und Folkwang-Chef Tobia Bezzola wehrt sich gegen die öffentlichen Angriffe, es mangele ihm an Sensibilität: „Einen Skandalerfolg wollten wir nicht suchen, das war nicht unsere Idee“, sagt er. Da sagt er allerdings die Unwahrheit.
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    Denn es ist schlicht und einfach nicht so, dass die pädophile Lüsternheit ein leicht zu übersehendes Randthema im Werk von Balthus wäre. Im Gegenteil: Sie ist das große Thema seiner künstlerischen Arbeit. Seit den Dreißigerjahren malte Balthus immer wieder pubertierende oder noch jüngere Mädchen in zweideutigen Posen. Sie liegen häufig auf Sesseln und Sofas mit gespreizten Beinen, der Rock ist meist sehr hoch gerutscht und gelegentlich blitzt das Weiß einer Unterhose hervor.
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    Ganz offensichtlich – und das weiß natürlich auch Bezzola – liegt es in der Logik dieser Bilder, ihre eigene Skandalgeschichte immer gleich mitzuliefern. Und zwar wirklich nicht wegen der Radikalität der Malerei, denn Balthus‘ Mädchen sind sehr brav in realistischer Manier ausgeführt.
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    Wie geht man mit erotischen Mädchendarstellungen in der Kunst um? Das Essener Museum Folkwang hat eine Schau mit Fotos des Künstlers Balthus abgesagt. Eine Debatte über Pädophilie ist entfacht.

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    Das Essener Museum Folkwang hat eine geplante Polaroid-Ausstellung des für seine sexuell aufgeladenen Mädchen-Bilder bekannten Künstlers Balthus abgesagt. Vorgespräche mit verschiedenen Instanzen, unter anderem dem Essener Jugendamt, hätten ergeben, dass die ab Anfang April geplante Schau „zu ungewollten juristischen Konsequenzen und einer Schließung der Ausstellung führen könnte“.
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    Gezeigt werden sollte eine Serie mit mehr als 2000 Polaroid-Bildern eines halbwüchsigen Mädchens in teils zweideutigen Posen und oft halb nackt, die der französische Künstler Balthus (1908-2001) im Alter von über 80 Jahren gemacht hatte. Die Fotos hatten eine neue Pädophilie-Debatte in den Medien ausgelöst. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte die Polaroids „Dokumente einer pädophilen Gier“ genannt und die geplante Folkwang-Schau heftig kritisiert.
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    Folkwang-Chef Tobia Bezzola wehrte sich gegen den Vorwurf, mangelnde Sensibilität bei dem Thema gezeigt zu haben. „Einen Skandalerfolg wollten wir nicht suchen, das war nicht unsere Idee“, sagte er. Er habe vielmehr zeigen wollen, wie ein Maler, der in seinem hohen Alter nicht mehr zeichnen konnte, Fotografien als Skizzen für künftige Gemälde nutze.
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    Ihm als Kurator sei es „um das Verhältnis von Malerei und Fotografie“ gegangen, sagte der Schweizer Bezzola. Dann habe sich aber herausgestellt, dass in der öffentlichen Diskussion das Thema Pädophilie das künstlerische Interesse völlig überlagere.
    „Die ganze Wahrnehmung der Ausstellung hätte sich nur noch darum gedreht“, sagte Bezzola. Sein Ziel sei aber nicht gewesen, über Kinderpornografie und die Grenzen der künstlerischen Freiheit zu diskutieren.
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    Ausschnitte aus der Polaroid-Serie von Balthus waren nach Angaben von Bezzola auch in der Gagosian-Galerie in New York gezeigt worden. Der Steidl-Verlag will nach Angaben einer Sprecherin in den nächsten zwei Wochen das Buch „The Last Studies“ mit den Polaroid-Mädchen-Fotos in einer limitierten Auflage von 1500 Exemplaren herausgeben.
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    Das Kölner Museum Ludwig hatte 2007 die erste Balthus-Schau in der Bundesrepublik gezeigt. Sie war von der Kunststiftung NRW gefördert worden. Als besonders provokativ gilt sein Gemälde „Träumende Thérèse“ (1938), das ein Mädchen mit hochgerutschtem Rock und gespreizten Beinen mit geschlossenen Augen auf einem Stuhl sitzend zeigt.

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    Balthus – Balthasar Klossowski de Rola (S)


    http://www.4shared.com/video/r5ZE1VM5ce/Balthus_-_Balthasar_Klossowski.html
    http://www.4shared.com/web/embed/file/r5ZE1VM5ce
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    Balthus – Cats a Girls (S)


    http://www.4shared.com/video/IHgyOspice/Balthus_-_Cats_a_Girls__S_.html
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    http://yourartshop-noldenh.com/balthus-der-exzentrischer-provokateur/
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    «Die PC ist unbarmherzig dichotomisch: Was nicht politisch korrekt ist, ist eben unkorrekt. Grauzonen des Zweifels räumt sie nicht ein, Zickzackprofile gehen über ihren Horizont: Wer das Lager der PC in einem Punkt verlässt, wird sofort in das des Feindes eingewiesen. Sie ist zudem durch und durch moralisch: Das Inkorrekte ist nicht nur falsch, es ist böse.»

    «Das vorläufige Endprodukt von 200 Jahren Emanzipation ist der Gutmensch. Er ist Nietzsches blinzelnder letzter Mensch. Anders als ein Gläubiger, der sich zu seinem Glauben bewusst bekennt, ist er als Ungläubiger Sklave seines Glaubens. Seiner Ersatzreligionen sind viele: Feminismus, Pazifismus, Klimaschutz, Antispeziesismus, Konsumismus – und über allem thronend die Political Correctness.»

    Grundsätzlich wird alles, was von der Norm abwich, also als “unnormal” erschien, als Frevel und Gefahr für die Gemeinschaft eingestuft.
    In unserer heutigen Gesellschaft wird dieses Prinzip der unduldsamen Verfolgung anderer moralischer und ethischer Werte dann political correctness genannt. Die Political correctness ist die populistische Form dessen, was der “Normalbürger” als moralisch richtig erkennen soll. Jede Abweichung wird dann in ähnlicher Weise verfolgt wie vor 200 Jahren.
    Indem in Folge, in inquisitorischer Weise “Unnormale” ausgegrenzt, gefoltert, verbrannt, ermordet wuden.

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    Political correctness (Abkürzung: PC) ist die Anbiederung an die jeweilig aktuelle Ausrichtung des gerade vorherrschenden (politischen) Zeitgeistes, indem sie die Meinungshoheit ausschließlich für sich beansprucht. Die Anhänger und Nacheiferer verstehen sich als die Vertreter einer “politisch korrekten” Sprache / Meinung im Sinne der Opportunität und somit zugleich als vorgeblich moralische Instanz.
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    Abweichende Meinungen können mittels der PC verächtlich gemacht und gegen Andersdenkende repressiv vorgegangen werden. Kritikern kann so die berufliche und wirtschaftliche Existenz zerstört werden. Die Political correctness geht fließend in strafrechtlich relevante Meinungsverbote und Zensur über.

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    Gruß Sabine

  7. ES GEHT WEITER:

    Aus einst „Kinderpornographie und Rechtsextremismus sind die Instrumente . . .“
    wird
    „Jugendschutz und Rechtsextremismus. . . .“
    Political correctness schlägt voll zu.
    Es läuft dahin hinaus dass man NACKTHEIT grundsätzlich verbieten will.
    Ich frage mich, wo leben wir eigentlich ???
    Alles was das Leben lebenswert, reizvoll, schön macht – soll nach dem Wilen der EU verboten werden.

    Ich will ein Mensch sein dürfen !!!

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    Egänzung zu:

    Kinderpornographie – pervertierte Abschreckung und Instrument des Staates für Willkür

    Argloser Badespaß war gestern

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    Blogger und soziale Netzwerke sollen nach Vorstellung der Rundfunkkommission ihre Angebote künftig auch mit Altersfreigaben kennzeichnen, sonst drohen Sanktionen. Der Kommissions-Entwurf für den neuen Staatsvertrag liegt jetzt vor.

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    Wer schützt uns denn vor diesen ganzen Vollidioten, worauf läuft das denn wirklich hinaus, Kontrolle des Internet und Auslese von kritischen Blogs und nicht zu vergessen man will natürlich die User weiterhin abkassieren……, nichts weiter ist das!

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Jugendmedienschutz-Altersfreigaben-auch-fuer-soziale-Medien-2153769.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.atom
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    Originaltext:

    Jugendmedienschutz: Altersfreigaben auch für soziale Medien

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    Blogger und soziale Netzwerke sollen nach Vorstellung der Rundfunkkommission ihre Angebote künftig auch mit Altersfreigaben kennzeichnen, sonst drohen Sanktionen. Der Kommissions-Entwurf für den neuen Staatsvertrag liegt jetzt vor.

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    Die Rundfunkkommission der Länder hat einen Entwurf für einen neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) vorgelegt. Er soll den technischen Jugendmedienschutz stärken, indem unter anderem auch Inhalte in sozialen Medien wie Blogs von einer Alterskennzeichnung erfasst werden. Noch offene Details sollen unter Beteiligung der Öffentlichkeit mit einer Online-Konsultation geklärt werden. Bis zum 19. Mai können Bürger sich noch einbringen, dann sollen die Beiträge bis Anfang Juni ausgewertet werden. Am 12. Juni sollen dann zur Sitzung der Rundfunkkommission Eckpunkte für eine JMStV-Novelle vorgelegt werden. Bis Dezember soll der Vertrag dann eingetütet werden.

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    Freiwillige Alterskennzeichnung


    Geht es nach der Rundfunkkommission, müssen sich Blogs und soziale Netzwerke
    künftig mit einer Altersfreigabe kennzeichnen. Bild: dpa

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    Im Entwurf fordern die Länder eine freiwillige Alterskennzeichnung („ab 12 Jahren“ oder „ab 18 Jahren“) für Telemedien mit „unveränderbaren Angeboten“. Außerdem können sie ihre Angebote bei einer anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle vorlegen. Der neue Anlauf zielt auch auf nutzergenerierte Inhalte und betrifft somit vor allem soziale Medien wie Blogs und Facebook. 2010 war bereits ein Anlauf, den Jugendmedienstaatsvertrag zu novellieren, gescheitert.

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    Mit dem neuen Entwurf sollen Angebote privilegiert werden, die sich in einer „für ein Jugendschutzprogramme auslesbaren Art und Weise“ kennzeichnen. Diese Kennzeichnung kann der Anbieter selbst vornehmen oder ein Klassifizierungssystem einer anerkannten Einrichtung der Freiwilligen Selbstkontrolle verwenden. In diesen Fällen ist er vor einer Verfolgung fehlerhafter Kennzeichnungen als Ordnungswidrigkeit geschützt.

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    „Technischer Jugendschutz ein Irrglaube“

    Dem niedersächsischen Landesmedienchef und stellvertretenden Vorsitzenden der KJM, Andreas Fischer, geht der Entwurf nicht weit genug. „So müsste die KJM weiterhin Jugendschutzprogramme anerkennen, die nur am Desktop PC funktionieren. Aus meiner Sicht darf es nur eine Anerkennung geben, wenn ein Jugendschutzprogramm zumindest Windows, iOS und Android ‚kann’.“

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    Rechtsanwalt und Blogger Thomas Stadler vom Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur (AK Zensur) hingegen kritisiert das Vorhaben grundsätzlich: „Es ist ein Irrglaube, man könne Kinder vor nicht altersgerechten Inhalten im Netz durch das technische Mittel eines Internetfilters schützen.“ Die Erfahrung lehre, „dass Internetfilter technikbedingt immer fehlerhaft sind und einerseits zuviel blockieren, anderseits auch tatsächlich jugendgefährdende Inhalte durchlassen.“

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    Siehe dazu auch den c’t-Hintergrund:

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    Vor was sollen unsere Kinder da geschützt werden? Was sollen sie für einen Schaden dabei nehmen die Genitalien eines nackten Menschen zu sehen?
    Ist ein nackter Mensch nicht etwas ganz Normales? Gott hat den Menschen doch auch nackt erschaffen. Und es gibt auf dieser Welt nichts ästhetischeres als einen schönen Körper.
    Gehört doch Sex und Erotik zu den elementarsten Triebkräften der Spezies Homo Sapiens.
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    Weltweit ist kein einziger Fall bekannt dass ein Kind beim Anblick eines nackten Menschen einen Schaden genommen hätte!
    Im Gegensatz zu den abscheulichsten Kreaturen, Monster, Aliens, u.d.gl womit sie spiele dürfen. Mit Spielen spielen dürfen, wo das Töten möglichste vieler Gegner der einzige Spielinhalt ist.
    Hiervon bekommen unsere lieben Kleinen Alpträume und lernen, dass Probleme nur gewaltsam zu lösen sind. Und dann wundern wir uns, dass die Hemmschwelle zur Gewaltanwendung bei Jugendlichen immer weiter sinkt. Aber vor dem Anblick eines nackten Menschen müssen sie geschützt werden. (Warum sollen oder dürfen unsere Kinder nicht erfahren dass es zwischen Mann und Frau auch einen kleinen anatomischen Unterschied gibt?)

    Erst durch dieses Tabuisieren, werden sie in ihrer Entwicklung fehl geleitet und neigen dann im späteren Alter womöglich zu anormalem Verhalten.

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    Moral ist unabhängig von Gesetzen ein Handlungsmuster der herrschenden Klasse zur Machtausübung bei gleichzeitiger Unterdrückung freier Entfaltung.

    Und die guten Sitten gibt es dann auch noch die nirgends definiert sind, aber gerne herangezogen werden um Willkür auszuüben.

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    Gruß Sabine

  8. Internet nur für Erwachsene

    Eine Reform des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags soll Altersfreigaben ins Internet bringen. Der Entwurf verstoße gegen deutsches und EU-Recht, sagen die Kritiker.

    http://www.zeit.de/digital/internet/2014-03/jugendschutz-internet-staatsvertrag
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    Da brüten unsere Damen und Herren Politiker, dieses Mal im Rahmen der Rundfunkkommission der Länder, mal wieder über das Thema Jugendschutz und Internet herum. Danach sollen “Internetangebote eine Alterskennzeichnung wie “ab 12 Jahren” oder “ab 18 Jahren” führen” und “Die Alterskennzeichnung soll auf Freiwilligkeit der Anbieter beruhen und für Jugendschutzfilter auslesbar sein.“
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    Das würde dazu führen, dass alle deutschen Webseiten, Blogs und Foren eine solche Alterskennzeichnung benötigen. Dieser Zwang bestünde allein schon um sich vor durchgedrehten Abmahnanwälten zu schützen!
    Alle Webseiten außerhalb Deutschlands scheren sich natürlich um diese Verordnung rein gar nicht. Nur die deutschen Seiten haben erneut einen Wettbewerbsnachteil.

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    Anbieter sollen also nicht nur ihre eigenen Inhalte kennzeichnen, sondern auch dafür sorgen, dass Nutzerinhalte wie etwa Kommentare oder Forenbeiträge zur Alterskennzeichnung passen. Sie müssen also Nutzerinhalte ständig überwachen und gegebenenfalls löschen.
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    Marc Liesching, Professor für Medienrecht und Medientheorie an der HTWK Leipzig, kritisiert, der Vorschlag setze sich über das Telemediengesetz hinweg. Demnach sind Diensteanbieter wie Blog- oder Forenbetreiber nicht voll für Nutzerinhalte verantwortlich, sondern nur im Rahmen der sogenannten Störerhaftung. Ein Diensteanbieter haftet etwa dann, wenn er von einem konkreten Rechtsverstoß Kenntnis hat und nichts unternimmt.
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    Bei der geplanten Alterskennzeichnung handle es sich dagegen um ein proaktives Filtersystem, das nicht nur gegen das deutsche Telemediengesetz, sondern auch gegen die europäische e-Commerce-Richtlinie verstoße, schreibt Thomas Stadler. Der Medienrechtler und Aktivist des Arbeitskreises gegen Internet-Sperren und Zensur weist zudem darauf hin, dass der Europäische Gerichtshof bereits vor zwei Jahren eine allgemeine Filterpflicht für soziale Netzwerke abgelehnt hatte.
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    Warum also tritt die Politik so sehr für solche Regelungen ein? Ist es blinder Aktionismus für den Jugendschutz? Motto wir tun da etwas – egal wie sinnvoll das ist?
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    Oder will man vielleicht den Abmahnern die nächste Einnahmequelle sichern, statt diesen Menschen ein für alle mal die Geschäftsgrundlage zu entziehen!
    Meine Vermutung geht aber vielmehr in die Richtung ‘den sie wissen nicht was sie tun’. Die Clique unserer Politiker ist inzwischen so weltfremd geworden, dass das Internet und alle seine Ebenen zwar gern genutzt werden, aber keiner der Damen und Herren versteht es wirklich bzw. bemüht sich das Thema zu verstehen – #Neuland halt.
    Alles dazu ist nur leeres Gerede von Politikern!

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    Aber eines haben sie doch verstanden, das Internet klärt auf. Es ist nicht mehr so einfach die Menschen für dumm zu verkaufen. Ähnlich in der Türkei, wo der Regierungschef durch Sperrungen versucht den freien Meinungsaustausch über Twitter zu verhindern, scheitern solche Filter- und Zensurregelungen.
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    Fakt ist, mit solchen Verordnungen macht sich Deutschland erneut als technikfeindliches Land seinen Namen und darüber lacht inzwischen die halbe Welt.
    Traurig, aber auf diesem Wege verschenken unsere Politiker die Zukunftschancen unseres Hochtechnologie Landes – im Namen des Jungendschutzes zum Schaden für die Zukunft unsere Jugend.

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    Puh, diesen Rant musste ich loswerden. Was denkt Ihr über die Pläne der Rundfunkkommission der Länder?
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    Ergänzend hier ein paar interessante Links:
    Hyperland Blog Staatsvertrag: Kein kindersicheres Internet

    http://blog.zdf.de/hyperland/2014/03/staatsvertrag-kein-kindersicheres-internet/
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    Hier kann man sich, in Form von Kommentaren, am Jugendmedienschutz beteiligen.

    https://www.jugendmedienschutz.sachsen.de/sachsen/de/home
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    Die Aussagen des Arbeitskreis gegen Internet-Sperren und Zensur (AK Zensur)

    http://ak-zensur.de/
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    zum Thema Jugendschutz und Internet.

    http://ak-zensur.de/2014/03/jmstv-vergangenheit.html
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    Und hier am Beispiel Estland,

    http://www.huffingtonpost.de/2014/03/24/digitale-zukunft-estland-_n_5021458.html?utm_hp_ref=germany

    wie sehr wir Deutschen der Entwicklung bereits hinterher laufen und unsere Zukunft verschenken.

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    Gruß Sabine

  9. Nicht auf den Schoß nehmen!

    Eine Spirale der Wut, in der keine Rückfragen, keine Zwischentöne mehr gelten.

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    Aber es geht nicht nur um verunsicherte Kollegen im Arbeitsalltag. Es geht letztlich um eine ganze Gesellschaft, die ein Problem hat. Eine Gesellschaft, die schon mit Situationen, die bloß den Gedanken an Missbrauch aufkommen lassen, nicht mehr umgehen kann. Kein anderes Thema ist so aufgeladen, so geprägt von Ängsten und Vorurteilen. Schon wer grundlos verdächtigt wird, ist praktisch ruiniert. Vor zwei Jahren hat das der viel gelobte dänische Film Die Jagd gezeigt: Ein Mädchen behauptet aus einer Laune heraus, der Kindergärtner habe sich ihm nackt gezeigt – sofort brechen alle Dämme, niemand fragt den Kindergärtner, was er dazu zu sagen hat, Eltern verriegeln die Tür, sobald er zu sehen ist, der Mann wird bedroht, schließlich brutal angegriffen. Eine Spirale der Wut, in der keine Rückfragen, keine Zwischentöne mehr gelten.

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    Vergleichbar: der Fall Edathy. Dennoch hätte auch für Edathy erst einmal die Unschuldsvermutung gelten müssen, solange nichts geklärt war. Aber dafür war keine Zeit. Da konnten auch die wenigen besonnenen Kommentare, unter anderem in der Süddeutschen Zeitung, nichts mehr ändern. Das öffentliche Urteil – in den Boulevardmedien, in den Talkshows – über Edathy war gefällt, lang vor jeder Beweisaufnahme. Edathy ist eine höchst dubiose Figur, aber es ist trotzdem bedenklich, wenn eine Gesellschaft so schnell in Hysterie verfällt.
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    Und jetzt sind ausgerechnet die Menschen, die sich beruflich um unsere Kinder kümmern sollen, allesamt latent dieser schlimmsten aller Verdächtigungen ausgesetzt. Wie soll einer da vernünftig arbeiten? Jens Krabel von der Berliner Koordinationsstelle sagt: »Immer wieder geben Erzieher wegen des Misstrauens ihren Job auf. Der ständige tendenzielle Verdacht ist nicht leicht auszuhalten.« Er hat mit seinen Kollegen gerade einen Leitfaden herausgegeben, Titel: Sicherheit gewinnen. Wie Kitas männliche Fachkräfte vor pauschalen Verdächtigungen und Kinder vor sexualisierter Gewalt schützen können.
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    Noch gibt es keine Statistiken, die belegen, wie viele Erzieher ihren Beruf tatsächlich wegen des Generalverdachts aufgeben. Aber wer mit Erziehern in ganz Deutschland spricht, kriegt sofort mit: Fast jeder von ihnen hat schon mal einen schrägen Kommentar kassiert, viele haben schon darüber nachgedacht, den Beruf zu wechseln, um nicht weiter als Fast-Pädophiler angesehen zu werden.
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    Es gibt Fälle wie den des Berliner Kita-Praktikanten, der gerade dabei war, ein Kleinkind zu wickeln, als eine Gruppe von Eltern zu Besuch in die Kita kam. Der Praktikant schloss die Tür des Nebenraums, weil das Kind nackt vor ihm lag und er Diskretion wahren wollte. Bei den Eltern aber erregte diese Reaktion so viel Misstrauen, dass es zu tagelangen Diskussionen mit der Kita-Leitung kam – und die den Praktikanten schließlich vom einen Tag auf den anderen vor die Tür setzte.
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    Es gibt vorauseilenden Gehorsam wie in dem Freisinger Kindergarten, in dem der Wickeltisch, der früher in einer ruhigen Ecke stand, nach längerem Hin und Her mitten im größten Gruppenraum aufgestellt wurde – um, wie die Chefin sagt, »den Eltern zu zeigen, dass wir uns hier alle gegenseitig kontrollieren«.
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    Schwierig wird es für Erzieher in all dem Durcheinander nicht nur mit den Eltern, sondern auch mit den Kolleginnen. Jens Krabel berichtet von Kindergärtnerinnen, die mittlerweile grundsätzlich gegen die Mitarbeit von Männern sind. Nicht, weil sie selbst misstrauisch wären, sondern aus rein praktischen Erwägungen: Der Team-Alltag wird schlicht zu kompliziert, wenn alle ständig auf die Sonderrolle des männlichen Kollegen Rücksicht nehmen müssen. Er darf nicht wickeln, er darf kein Kind auf den Schoß nehmen, er muss ständig Abstand halten – wie sollen wir den Kerl hier einsetzen?
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    Dabei warnen Experten davor, nur die Männer kritisch zu beobachten. Auch Erzieherinnen machen Fehler, auch Erzieherinnen überschreiten Grenzen. Das ist nur menschlich. Cornelia Heider-Winter vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, der in Hamburg viele Kitas koordiniert, empfiehlt, gelegentlich die Perspektive zu wechseln: »Frauen wird nicht unterstellt, dass sie sexuelle Absichten haben könnten, weil das statistisch so gut wie nie vorkommt. Aber wir müssen bedenken: Gibt eine Erzieherin einem Kind einen Kuss auf die Wange, obwohl das Kind das nicht will, ist das natürlich auch ein Übergriff.«
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    Doch das sind in der öffentlichen Wahrnehmung bestenfalls Zwischentöne. Mit jedem Fall von Kindsmissbrauch, der in den Nachrichten auftaucht, wächst das Misstrauen gegenüber den Erziehern wieder. Denn die Täter sind nun mal fast immer Männer. Es sind Fälle wie die Odenwaldschule, die den Idealisten wieder das Leben schwer machen. Ausgerechnet an der berüchtigten hessischen Schule, in der es in vergangenen Jahrzehnten zu zahlreichen Missbrauchsfällen gekommen ist, wurde gerade erst wieder ein Lehrer des Besitzes von Kinderpornos überführt, jetzt fordern aufgebrachte Eltern die Schließung der Schule.
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    Tobias, 23, ein Erzieher aus München, sagt: »Ich erlebe das wie Wellen. Nach jeder Nachricht dieser Art sind die Eltern nervös. Dann beruhigen sie sich wieder, es läuft alles entspannt – bis zur nächsten Nachricht.« Immerhin, Tobias (auch er möchte hier nicht unter seinem vollen Namen erscheinen) hat den Mut, das Thema selbst anzupacken: »Ich habe mir vorgenommen, auf die Eltern zuzugehen. Ich erkläre ihnen, was zu meinen Aufgaben gehört, wie viel Nähe sein muss. Es ist heikel, aber genau deshalb muss ich meine Rolle als Mann thematisieren.« Das Problem ist: Den Beruf ergreifen eher sensible Naturen – aber gerade Schüchternheit ist gefährlich. »Wenn ein Erzieher sich nur kleinlaut in der Ecke rumdrückt, sobald Eltern vorbeikommen«, sagt Tobias, »macht er sich doch erst recht verdächtig!«
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    Cornelia Heider-Winter benutzt im Gespräch schließlich eine Formulierung, mit der sich das ganze Problem – man könnte sogar sagen: die Gefühlslage eines ganzen Landes – auf den Punkt bringen lässt. Sie sagt, trotz allem seien Kitas händeringend auf der Suche nach Männern, die gut mit Kindern können. Dann schweigt sie einen Moment. Und man muss diese Formulierung vielleicht kurz im Raum stehen lassen, um zu begreifen, wie schwierig alles ist:
    Männer, die gut mit Kindern können.
    Klingt unangenehm, oder?
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    Viele Eltern halten männliche Kindergärtner für potenzielle Pädophile – und würden ihnen die Nähe zu ihren Kindern am liebsten verbieten. Über das Leben mit einem ungeheuerlichen Generalverdacht.

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    Sitzt das Mädchen zu nah? Schaut der Erzieher den Jungen zu intensiv an?
    Im Kita-Alltag genügen schon kleinste Signale, um Eltern misstrauisch zu machen.

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    Zum Beispiel Daniel aus Hamburg. Er sagt, er hatte eine schöne Kindheit, er wollte etwas weitergeben. Er war 21 und fand, Erzieher sei der ideale Beruf für ihn. Drei Jahre Ausbildung, schlecht bezahlt, trotzdem, es ging ihm ja um was. Es dauerte keine vier Wochen, da sprach ihn eine Mutter an: Es sei ihr, ehrlich gesagt, nicht recht, wenn er ihre zweijährige Tochter auf den Schoß nehme. Sie fühle sich bei dem Gedanken einfach nicht wohl, er, als Mann, mit ihrem Kind. Nichts für ungut. Heute, zwei Jahre später, sagt Daniel: »Das war ein Schock. Ich habe lang gebraucht, mich davon zu erholen.«
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    Zum Beispiel Florian aus Mannheim. Ein gut gelaunter Typ, eben 28 geworden, den die Kinder lieben. Es ist nicht lang her, da kam er am Tag nach dem Elternabend in die Kita, in der er arbeitet, und seine Chefin, eine sensible, eine vorsichtige Frau, erklärte ihm, dass er ab sofort die Kinder nicht mehr wickeln dürfe. Wunsch der Eltern. Weil: zu viel Nähe. Weil: zu viel Nacktheit. Florians Kolleginnen zuckten dazu hilflos mit den Schultern. Florian lächelt unsicher und sagt: »Ich habe das so hingenommen. Aber ich habe mich sofort gefragt, welche Verbote wohl als Nächstes kommen.«
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    Zum Beispiel Sascha aus Potsdam. 31 Jahre alt, sehr sanft, er war der erste männliche Erzieher in seinem Kindergarten. »Wenn ich Eltern angesprochen habe, wurde ich anfangs ignoriert, die wollten lieber mit den Kolleginnen reden«, erzählt er. »Und wenn eine Mutter gehört hat, ›Sascha hat heute Ihr Kind umgezogen‹ – dann habe ich eisige Blicke geerntet.« Dabei waren die Kolleginnen froh, ihn zu haben: endlich einer, der mit den Jungs richtig raufte, einer, der selbst den größten Spaß am Rumtoben hatte. »Aber schließlich hat eine Mutter zu meiner Chefin gesagt, der Mann kommt meinen Kindern zu nahe, das ist mir unheimlich, Schluss damit.«
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    Keiner der drei Männer möchte unter seinem vollen Namen von seinen Erfahrungen erzählen. Denn auch wenn es niemand in diesen Beispielen explizit ausgesprochen hat – es geht in jedem einzelnen Fall um den schlimmsten denkbaren Vorwurf: den Verdacht auf Kindsmissbrauch. Wenn Eltern den männlichen Erziehern sagen, haltet bitte Abstand, dann heißt das: Im Grunde rechnen wir damit, dass ihr euch an unseren Kindern vergreift.
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    Das Problem ist neu. Weil männliche Erzieher neu sind. Im Grunde gelten sie immer noch als Exoten. Obwohl seit den bewegten Siebzigerjahren die Gleichberechtigung als Prinzip mit zwei Richtungen diskutiert wird: Genauso, wie Frauen klassische Männerberufe ausüben, versuchen es auch Männer in traditionellen Frauenberufen. Noch dazu belegen ganze Regale voll pädagogischer Fachliteratur, wie wichtig es ist, dass die frühkindliche Erziehung sowohl von Frauen als auch von Männern übernommen wird (siehe Interview auf Seite 3).
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    Also suchen Kindergärten und Kindertagesstätten dringend nach männlichen Mitarbeitern. Das Familienministerium legt seit Jahren Förderprogramme auf, sie heißen »Neue Wege für Jungs« (seit 2005) oder »Boys’ Day« (seit 2011) und sollen laut Ministerium »die Berufswahlorientierung junger Männer erweitern«. Außerdem hat das Ministerium vor vier Jahren an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin die »Koordinationsstelle Männer in Kitas« eingerichtet, die mit Informationsveranstaltungen, Broschüren und Werbung ein Projekt mit dem Titel »MEHR Männer in Kitas« in 16 Städten vorantreiben soll.
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    In Deutschland arbeiteten im Jahr 2013 insgesamt 19 055 männliche Fachkräfte, Praktikanten, Freiwillige und ABM-Kräfte in Kindertageseinrichtungen (reine Schulhorte ausgenommen). Das ist zwar weit mehr als noch vor ein paar Jahren – entspricht aber einem relativen Männeranteil von gerade mal vier Prozent. Es ist nicht leicht, Jungs für den Job zu gewinnen. Er ist dramatisch unterbezahlt, Kinderpfleger verdienen zwischen 1500 und 2100 Euro brutto im Monat. Der Job bietet, abgesehen von der Aussicht auf eine Kita-Leitung, kaum Aufstiegschancen. Dass der Beruf des Erziehers attraktiver werden muss, geben sie sogar beim Familienministerium zu. Zitat aus einer Broschüre des Ministeriums: »Die drei- bis fünfjährige unbezahlte Ausbildung für den Beruf ist alles andere als attraktiv. Auch das ist ein Grund, warum besonders Männer sich gegen diesen Beruf entscheiden. Gerade angesichts des enormen Stellenwerts dieser Ausbildung für die Gesellschaft muss hier nachgebessert werden.«
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    Wer sich diesen Job aussucht, muss ein Idealist sein. Für Männer, die Exoten, gilt das erst recht. Aber wenn ein Mann den Sprung wagt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihm das Berufsleben nach kürzester Zeit zur Hölle gemacht wird. Die Sorge der Eltern ist immer die gleiche: Könnte der junge Mann, der sich da so freundlich um mein Kind kümmert, finstere Absichten haben? Könnte es sein, dass der den Job macht, weil er sich viel zu sehr für Kinder interessiert? Die Berliner Koordinationsstelle hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, derzufolge vierzig Prozent aller Eltern bei männlichen Erziehern an die Gefahr eines möglichen Missbrauchs denken, bei den Trägern der Einrichtungen, also Geschäftsführern und Vorständen, sind es sogar mehr als fünfzig Prozent.
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    Jeder zweite hat Bedenken. Das heißt: Männer in Erziehungsberufen sind in Deutschland einem Pauschalverdacht ausgesetzt. Jeder, der mit Kindern arbeitet, so scheint es, könnte im Grunde ein Sexualstraftäter sein. Jeder, der sich mit Kindern balgt, könnte sie unsittlich berühren. Jeder, der Windeln wechselt, kommt Geschlechtsteilen verdächtig nahe. Jens Krabel von der Berliner Koordinationsstelle sagt: »Es kann schon ausreichen, wenn eine einzelne Mutter einen Verdacht gegen Männer als Erzieher oder einen konkreten Mann hegt, um das Thema sexueller Missbrauch in der Kita plötzlich zu einem riesigen Thema zu machen und die Mitarbeiter und anderen Eltern zu verunsichern.«

    http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41920/1/1

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    Gruß Sabine

  10. Existenzvernichtung eines Gmynasiallehrers wegen angeblicher Pornografie

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    Es geht in dem Fall um einen Zürcher Gymnasiallehrer, der in seiner Klasse 3i folgende Romane gelesen hatte: «Frühlings Erwachen» von Frank Wedekind, «Dunkler Frühling» von Unica Zürn, «Menschenfresser» von Marlen Haushofer, «Die Selbstmord-Schwestern» von Jeffrey Eugenides und «Warum das Kind in der Polenta kocht» der schweizerisch-rumänischen Schriftstellerin Aglaja Veteranyi, die sich 2002 im Zürichsee das Leben nahm.
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    Bei einer Hausdurchsuchung fand man bei ihm 36 Fotos von Menschen unter 16. Sie waren Teil einer Sammlung mit Aktfotografien aus allen Lebensaltern. Vom 19. Jahrhundert bis Mapplethorpe.
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    Laut dem für das Urteil massgeblichen Bundesgerichtsentscheid ist pornografisch, was arrangiert daherkommt. Für den aber, der in «Frühlings Erwachen» Pornografie erkennt, muss ohnehin jede Aktfotografie Pornografie sein. Er bringt die Pornografie nämlich mit. In seinem Kopf.
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    Aus der NZZ am Sonntag vom 16.September 2012
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    Im Strudel eines «Literaturskandals»
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    Frühmorgens klingeln Polizisten an der Haustür eines Zürcher Gymnasiallehrers. Sie durchsuchen seine Wohnung und führen ihn ab – er soll im Unterricht Pornografie verbreitet haben mit der Lektüre eines Theaterstücks aus dem 19. Jahrhundert. Es beginnt eine Irrfahrt durch das Justizsystem, an deren Ende eine zerstörte Existenz zurückbleibt. Erstmals äussert sich der Lehrer D. S. zu seiner kafkaesken Erfahrung.
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    Es war 1997 auf der Polizeistation einer Provinzstadt in lran. An der Wand, mir gegenüber, Ayatollah Khomeiny. Ich starrte während des Verhörs an seinen Bart, der mehr und mehr zum Symbol des ganzen Sittenpolizeistaates wurde. Eine Sittenpolizei, die in jeder Geste Sex vermutet, aus jedem Geräusch Pornografie erlauscht. Das ist eben Iran: Ich ging mit zwei Studentinnen in einem Park spazieren und wurde deswegen verhaftet. In der Schweiz undenkbar. So dachte ich damals. Bis 2009.
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    Fünf fraglos anerkannte, teilweise zum Kanon der Schulliteratur zählende Texte mit einer Klasse lesen und dann wegen Weitergabe von Pornografie an Minderjährige verhaftet werden: Diese Geschichte spielt nicht in Iran. Dort darf eine Lehrperson gefahrlos die erotisch aufgeladenen Erzählungen aus «Tausend und einer Nacht» behandeln, weil selbst die Sittenwächter wissen: Literatur ist nicht Pornografie. Diese Geschichte spielt in Zürich, wo die Staatsanwaltschaft das nicht weiss.
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    7. Juli 2009. Drei Minuten vor sechs aus dem Schlaf geklingelt. Bewaffnete Polizisten, eine Staatsanwältin und eine Kinderschutzbeamtin vor der Tür. Ich darf kurz aufs Klo (die Tür muss offenbleiben – könnte ich durch die Kanalisation entgleiten?), dann wird die Wohnung durchsucht. Ich, im Pyjama im Bett sitzend, darf mich nicht bewegen. Im Wohnzimmer die Staatsanwältin und die Kinderschutzbeamtin am Boden kniend und lachend über privaten Fotografien. Vor den Augen meiner Frau. Nach eineinhalb Stunden geht’s weiter zur Schule. Meine Frau, in Panik, fragt: «Kann ich mitkommen?» Ein Polizist: «Es hat keinen Platz im Auto.» Darauf Gelächter der ganzen Truppe. Ich werde, eskortiert von fünf Polizisten, ins Schulgebäude geführt. Wer das sieht, dem ist klar: Da wird ein Schwerverbrecher gestellt. Auch mein Arbeitsplatz wird durchsucht, die PC-Daten abgezogen.
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    Der Grund für diesen Überfall: Ich hatte Bücher mit der Klasse 3i gelesen. «Frühlings Erwachen» von Frank Wedekind, «Dunkler Frühling» von Unica Zürn, «Menschenfresser» von Marlen Haushofer, «Die Selbstmord-Schwestern» von Jeffrey Eugenides und «Warum das Kind in der Polenta kocht» der schweizerisch-rumänischen Schriftstellerin Aglaja Veteranyi, die sich 2002 im Zürichsee das Leben nahm. Später wird sich eine Lehrerstimme melden, die sagt: «Veteranyi mit einer Schulklasse lesen? Also ich würde das höchstens mit einer Maturklasse.» Bei mir standen am Schluss Kafka und Ingeborg Bachmann. Veteranyis Roman ist ein anspruchsvoller Text. Einer jedoch, den man im 3. Gymnasium bewältigen muss, will man zu Kafkas Roman «Der Process» vordringen. Dieser Process nun aber war zu mir vorgedrungen, bevor ich ihn mit jener 3. Klasse, aus der die Anzeige stammte, behandeln konnte.
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    Im Gegensatz zum iranischen Staatsbeamten spielte die Staatsanwältin P. B. bei den zwei einzigen Einvernahmen zu Beginn des dreijährigen Verfahrens ihre Macht aus. Jede ihrer Gesten, die verächtliche Begrüssung, der herablassende Ton bei ihren Fragen und das fortlaufende Kauen eines Kaugummis zeigten: Ein Hund bin ich. Das Urteil stand von Anfang an. Sie brauchte meine Antworten nicht. Und doch: Das war nicht eine Untersuchung Marke P. B., nein, da kam ein System zum Ausdruck, eine Ideologie. So greift die Zürcher Staatsanwaltschaft Menschen auf und zersetzt sie. Wer so auftritt, braucht sich nicht zu rechtfertigen. Der verliert niemals seinen Job, und der hat sein Gehalt auf sicher.
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    In Kafkas «Der Process» wird die Hauptfigur Josef K. eines Morgens aus heiterem Himmel verhaftet. Und je weiter er in der Folgeversucht, sich von diesem «Process» zu befreien, um so mehr wird sein Leben zum Process. Ich sehe mich im gleichen Muster gefangen. Auch die Erklärungen von Josef K.s Anwalt Huld zum Verfahren gleichen bis aufs Detail den Erklärungen meines Anwalts zur Zürcher Justiz. Bloss dass dieser Huld im Roman die Erklärungen aus dem Bett seines ewig düsteren Schlafzimmers heraus gibt, mein Anwalt hingegen in einer hellen Anwaltskanzlei. Ob das Verfahren so oder so verlaufe, beides möglich, alles möglich. Untersuchungshandlungen könne es geben, zwingend sei das nicht. Im Wesentlichen gehe es darum, herauszufinden, wie diese Staatsanwältin ticke. Darauf müsse man sich dann einstellen. Das ganze juristische Geflecht, das sich in Kafkas Roman über Josef K.s Leben legt: keine kafkaeske Übertreibung.
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    Wie alles begann: Die muslimische Mutter einer Schülerin stört sich an den Texten. Darüber kann man reden. Aber diese Mutter versucht nicht zu reden. Auch ihre Tochter nicht. Sie gehen zur Kinderschutzpolizei. Ein Verhaftungspotenzial wird ersonnen, die Mutter macht Anzeige, und der Fall landet bei der Staatsanwältin P. B. Diese konstruiert aus fünf literarischen Texten, die sie nicht kennt und auch während des Verfahrens nicht liest, und aus vier angeblichen Vorkommnissen im Unterricht ein Offizialdelikt. Drei Oberrichter geben den Segen zum Überfall, der bei Beamten nötig ist.
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    Was stand im Hausdurchsuchungsbefehl? Es stand unter anderem: «Die Frage, ob dem Werk von Unica Zürn ein schutzwürdiger kultureller oder wissenschaftlicher Wert zuzubilligen ist, lässt sich nicht ohne weiteres beurteilen.» Das (unter-)schreiben Leute, welche den Text erstens nicht kennen und zweitens genau diese Frage auch später niemals germanistisch abklären lassen. Weiter zu Jeffrey Eugenides’ «Die Selbstmord-Schwestern»: «Lediglich am Rand ist dennoch zu bemerken, dass der Text für den Deutschunterricht von vorne herein etwas speziell erscheint, da er ursprünglich in Englisch verfasst wurde.»
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    Die Klasse las dieses Werk im Rahmen des IB-Programms (International Baccalaureate). Dieses IB-Programm sieht zwingend übersetzte Texte vor. Solche Zusammenhänge interessieren die Staatsanwältin nicht. Ihre Logik: Der liest übersetzte Werke, nur um das Thema Sexualität (das bei diesem Werk eines ist unter vielen) um jeden Preis in den Unterricht einzuschleusen. Übersetzung als Indiz für Porno-Weitergabe. Die drei Oberrichter unterschreiben. Weiter stand im Papier, das die Hausdurchsuchung rechtfertigt: «Im Rahmen einer Abschlussstunde vor Weihnachten habe er das Zimmer verdunkeln und indische Musik abspielen lassen.» Und auch die Verdunkelung und die indische Musik verfangen bei den Oberrichtern. Der staatliche Überfall hat seine Gründe. Basierend auf Literatur und erfundenen Erzählungen einer Mutter. Jeder hat das Recht auf Anzeige. Das sei eine Errungenschaft der Demokratie, sagt man auf der Bildungsdirektion.
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    Ich sah mich an jenem 7. Juli des Jahres 2009 aus heiterem Himmel verhaftet. Milchige Sonne, die Luft feucht. So war meteorologisch gesehen jener Tag, der sich als Trauma in meine Biografie eingeschrieben hat. Ich unterrichtete stets so, dass auch Menschen, die bestimmten Themen nicht unbedingt offen gegenüberstehen, sich gut aufgehoben fühlten. Eltern aus dem Umfeld von christlichen Freigruppen etwa lobten meinen Unterricht. Wohl kaum dafür, dass er auf Sexualität fokussiert gewesen wäre. Aber es versteht sich: Wenn indische Musik zum Indiz für Pornografie wird, ist alles möglich.
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    Etappen aus dem sich ins Unendliche ziehenden Verfahren: Die Mutter, als Ausgangspunkt, glaubt, einen Pädophilen enttarnt zu haben. Vorteil: Da braucht es nicht wirklich Taten
    (dass es solche nicht gegeben hat, räumt selbst die Staatsanwältin gegenüber dem «Magazin» ein), da genügt das So-Sein. Gibt es da nicht Parallelen in der Geschichte? Weiter im Verfahren (Oktober 2009): In der ersten Einvernahme behauptet die Staatsanwältin, die Mutter sei bei ihrem Kontaktversuch von der Schulleitung abgewimmelt worden. Der Rektor wird bestätigen: Das trifft nicht zu. Weiter im Verfahren (zirka November 2010): Nachdem sich über Monate absolut nichts getan hat, verlangt mein Anwalt ein Gutachten zu den Texten. Bald darauf erkundigt sich die Bildungsdirektion bezüglich der Dauer des Verfahrens.
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    Justiz als Spielerei
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    Die Staatsanwältin begründet die unendliche Verzögerung damit, dass ein Gutachten ausstehe. Die Wahrheit: Sie hat nie ein solches Gutachten in Auftrag gegeben. Weiter im Verfahren (Frühjahr 2011): Als ich den Strafbefehl nicht akzeptiere, leitet die Staatsanwältin diesen als Anklage ans Bezirksgericht weiter und erhöht dabei das geforderte Strafmass von 150 auf 270 Tagessätze. Das Gericht weist den Strafantrag wegen Verfahrensmängeln zurück. Nun muss die Staatsanwältin mit mir doch eine Abschlusseinvernahme durchführen. Weiter im Verfahren (Dezember 2011): Nach dem Urteil des Bezirksgerichts (Freispruch im Hauptanklagepunkt, 15 Tagessätze wegen Fotos) zieht die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit pauschal weiter. Das geforderte Strafmass liegt neu bei 300 Tagessätzen, also bei fast 50 000 Franken (höher als bei fahrlässiger Tötung). Justiz als Spielerei. Die Staatsanwaltschaft behauptet, der Bezirksrichter sei voreingenommen gewesen. Er habe bereits am Ende der Verhandlung sein Unverständnis bezüglich des Hauptanklagepunkts geäussert.
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    Weiter im Verfahren (ab Beginn 2012): Weil ich zu Beginn des Jahres 2012 den Antrag stelle, mich von der Verhandlung dispensieren zu lassen, muss sich Staatsanwalt D. K., der die Staatsanwältin P. B. ersetzt, mit dem Fall beschäftigen. Er spricht sich gegen meine Dispensation aus, begründet damit, er habe Fragen zu stellen. In einem Interview behauptet er ausserdem, ich hätte die Texte nur in Auszügen lesen lassen. Darin liege die Pornografie. Damit übertrifft er an Erfindungen sogar die anzeigende Mutter. Dass Staatsanwalt D. K. sich nicht, wie er der Presse gegenüber behauptet, erst am 5. Juli 2012, als er den Rückzug verkündet, mit dem Fall eingehend beschäftigt, ist offensichtlich.
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    Ebenso Anfang 2012 wird die Oberstaatsanwaltschaft aktiv. Sie spricht bei der Schulleitung des Literargymnasiums vor und fordert von dieser, die mich konsequent stützt, Zurückhaltung. Im Juni 2012 wiederhole ich mein Dispensationsgesuch mit ärztlichem Zeugnis. Über eineinhalb Jahre keine Fragen, insgesamt keinerlei Untersuchungshandlungen, der Verhandlung vor Bezirksgericht bleibt die Staatsanwältin fern. Mit anderen Worten: Der plötzliche Fragebedarf reiner Hohn. Das Beharren auf meiner Anwesenheit ist Teil der Menschenhatz, wobei D. K. seine wahren Beweggründe hinter dem Amt verstecken kann. Diese Behörde, so schreibe ich, hat jedes Recht auf Fragen verwirkt. Sie darf nicht weiter mein Leben bestimmen. Ich bezeichne sie dem Gericht gegenüber als Unrechts-Organ. Weiter führe ich die medizinischen Gründe an und halte fest, dass die markante Verschlechterung meines Gesundheitszustands eine Folge des ganzen Verfahrens ist.
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    Das Gericht hiess mein Gesuch, nachdem ich dieses Schreiben nachgereicht hatte, am 2. Juli 2012, vier Tage vor der Verhandlung, gut. Und dies gegen den geharnischten Einwand von D. K. Dieser hatte sogar von einem Rechtshilfebegehren an Deutschland gesprochen, um meine Prozessfähigkeit abzuklären. Er zweifelte die Aussagen des ärztlichen Zeugnisses an (ein blanker Zynismus angesichts einer drohenden Erblindung). Und dann eben plötzlich der Rückzug, keine 24 Stunden vor Verhandlungsbeginn. Weshalb dieser Rückzug, nachdem noch Stunden zuvor meine Anwesenheit ein Rechtshilfebegehren wert war?
    Fortsetzung folgt.
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    Vielleicht hat die bewilligte Dispensation und damit verbunden die Tatsache, dass ich kein weiteres Mal medial vorführbar sein würde, den Rückzug bewirkt. Vielleicht auch die in der Bewilligung deutlich werdende Haltung des Gerichts. Vielleicht kam im letzten Augenblick eine Direktive «von oben». Vielleicht indes zielte der Weiterzug allein auf weitere acht Monate Zermürbung, und der Rückzug kurz vor der Verhandlung war eingeplant. Sadismus auf Steuerkosten. Alles ist möglich.
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    Fazit: Noch lassen sich literarische Werke vor Gericht nicht als Pornografie verkaufen. Aufatmen? Wenn es so weitergeht, wie sieht’s in zehn Jahren aus? Wird einer wegen «Faust» verhaftet? Oder gar wegen der Bibel? Weder für das Verbreiten von Lügen noch für die Mängel und die Schludrigkeit im Verfahren muss die Staatsanwaltschaft geradestehen. Und auch die Oberrichter nicht, welche den Überfall abgesegnet haben. So bleibt ein in die Länge verschleppter Freispruch im Hauptanklagepunkt. In Kafkas Roman gibt es den Freispruch nur als Idee. Tatsächlich bleiben zwei Optionen: der scheinbare Freispruch, der wieder zur Verhaftung führt, und die unendliche Verschleppung. Auch das keine literarische Übertreibung.
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    Zersetzt und arbeitslos bin ich allemal. Der Pornolehrer bleibt haften. Unzählige Schulstunden liegen in Trümmern, meine Heimat verätzt. Zusammen mit Teilen der Tagespresse gelang der Zürcher Staatsanwaltschaft im Grunde der Totschlag. Die Schweizerische Depeschenagentur schreibt in ihrer Meldung zum Rückzug der Revision kein einziges kritisches Wort zum ganzen Verfahren, dafür placiert sie, die Sache zusammenfassend, die Lüge, es hätten sich Darstellungen von sexuellen Handlungen mit Kindern auf Fotos gefunden. Diese Meldung schalten verschiedene Zeitungen online (so die «Zürichsee-Zeitung»,der «Tages-Anzeiger»).
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    Das Bezirksgerichtsurteil erwähnt ausdrücklich das Gegenteil: keine sexuellen Handlungen. Menschenhatz der Staatsanwaltschaft mit Rufmord in Teilen der Presse kombiniert -und das Werk ist getan.
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    Die Hausdurchsuchung hatte die Funktion, mögliche Gründe nachzuliefern, die zum Zeitpunkt der Verhaftung nicht vorlagen. Das allein zeigt eine signifikante Verschiebung der Auffassung von Rechtsstaat. Die Gründe, die in meinem Fall juristisch hängenblieben: 36 Fotos von Menschen unter 16. Sie waren Teil einer Sammlung mit Aktfotografien aus allen Lebensaltern. Vom19. Jahrhundert bis Mapplethorpe.
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    Laut dem für das Urteil massgeblichen Bundesgerichtsentscheid ist pornografisch, was arrangiert daherkommt. Für den aber, der in «Frühlings Erwachen» Pornografie erkennt, muss ohnehin jede Aktfotografie Pornografie sein. Er bringt die Pornografie nämlich mit. In seinem Kopf.
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    Totalitärer Säuberungswahn
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    Ich hatte keine Kraft, gegen das Urteil anzukämpfen, wollte die Sache nicht weiter verschleppen, was aber ohne mein Zutun doch geschah. Überdies wurde eine mögliche Stempelung (Berufsverbot wegen Aktfotos) erst nach dem Urteil zum Thema.
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    Im Bereich Sexualität und Minderjährige angeschossen zu werden, macht einsam. Bald entpuppt sich als Feigling, was vor kurzem noch als Freund aufgetreten ist.
    Auch der tief verankerte Glaube an die Korrektheit von Schweizer Behörden spielte beim Verstummen vieler wohl eine Rolle. Oder es passte einfach nicht ins Weltbild, dass es parteipolitisch gesehen in erster Linie eine sozialdemokratische Hatz auf der einen und der SVP-Richter T.M. auf der anderen Seite war, der diese Hatz im Rahmen seiner Befugnisse deutlich kritisierte. Blocher war doch immer der Böse. Einige bezeichneten die Staatsanwältin als dumme Kuh und verschafften sich so Klarheit.
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    Nein, die Staatsanwältin mag literarisch ungebildet sein. Doch sie verkörpert präzise das, was gilt. Wer vermutete Pädophile jagt, braucht sich in der Regel für nichts zu rechtfertigen.
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    Zugegeben, lange war es schwierig, sich ein Bild der Lage zu verschaffen. Spätestens nach jenem Urteil im Oktober 2011 jedoch war klar: Ich wurde allein wegen fünf literarischer Texte und unhaltbarer Vorwürfe den Unterricht betreffend verhaftet. Es war da keine weitere Geschichte im Hintergrund, kein Übergriff auf eine Schülerin, wie man das zumindest in einigen Lehrergremien angenommen hatte (es wird doch wohl niemand wegen Büchern verhaftet – doch es wird!). Und die Fotos, abgesehen davon, dass sie selbst im Lichte jenes Bundesgerichtsentscheids alles andere als eindeutig pornografisch waren, spielten bei dieser Verhaftung keinerlei Rolle.
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    Unabhängig von meiner Person hätte Anlass zu politischer Empörung bestanden. Für all jene, die weiterhin an eine freiheitliche Gesellschaft glauben möchten. Besonders aber für Deutschlehrer, deren humanistischer Unterrichtsstoff kurzerhand zum Überfallsgrund mutierte.
    Es gab Briefe, ja, aber das reicht kaum, den totalitären Säuberungswahn, der als Kinderschutz daher kommt, zu bremsen. Und die Schriftsteller? Sie, die bei jedem SVP-Plakat aufschreien, blieben stumm. Dabei haben manche Aglaja Veteranyi persönlich gekannt. Sie wären es ihr und ihrem Roman allein schuldig gewesen, laut zu werden. Immerhin, einige Zürcher Rechtsanwälte sprachen Klartext: «Die Justiz operiert im Windschatten einer gesellschaftlichen Hatz. Kein Einzelfall.» So ihre Kommentare. Aber es waren Privatmitteilungen. Mit der Justiz will es keiner verderben. Sie hat längst mythologische Dimensionen angenommen. Religionsersatz. Eine Errungenschaft der Demokratie.
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    Totschlagwörter
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    Dass ich diese Zeilen schreiben kann, hat mit der Empörung Einzelner zu tun. Dabei steht der Rektor des Literargymnasiums in Zürich ganz vorne. Seine klare Stellungnahme war der Staatsanwaltschaft stets ein Dorn im Auge. Hätte die Schule einen anderen Rektor gehabt, zum Beispiel jenen, der gegenüber der Presse verlauten liess, er lese Veteranyi, wenn überhaupt, erst mit einer Maturklasse, dann gäbe es diese Zeilen nicht. Das Vorhaben von offenbar nicht wenigen Schülern, am Tag der Verhandlung vor dem Obergericht zu demonstrieren, und die Unterstützung aus dem fernen Australien waren ebenso wichtige Zeichen. Die Petition gegen die Setzung auf eine schwarze Liste, die der Philosoph und Historiker C. D. aus Armidale initiierte, wollte man auf der Bildungsdirektion übrigens nicht persönlich entgegennehmen. Balsam auch einige Leserbriefe, deren Verfasser sich vom Totschlagwort Kinderpornografie nicht blenden liessen. Dass Lesermeinungen von Medien zensuriert oder zurechtgebogen wurden, das wiederum weiss ich von Freunden, die geblieben sind..
    Was mich zum Ende erstaunt: Wo sind eigentlich die, die stets die Verschleuderung von Steuergeldern kritisieren? Solche Verfahren und solche Rückzüge kosten Geld. Nicht wenig. Und ich bin kein Einzelfall, wie Rechtsanwälte sagen. Wenn es um paranoiden Schutzwahn geht, dann scheint Geld keine Rolle zu spielen. Der Staatsapparat darf sich aufblähen, brutal, masslos und stümperhaft, und niemand schreit auf.
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    Bleibt Khomeinys Bart an der Wand. Irgendwie ist es für den Verhafteten erträglicher, wenn da einer ist, der diese Hatz verordnet. Das grosse Erschrecken aber ergibt sich mit der Einsicht: Menschen funktionieren so ohne Bartträger. Sie tragen den Khomeiny in sich. Auch das eine Errungenschaft der Demokratie? Demokratie als eine Gesellschaft von unsichtbaren Bärten?

    Dieser Text ist eine erste Etappe. Geplant und teilweise begonnen sind eine literarische Verarbeitung und eine Dokumentation in Buchform.

    http://www.wgvdl.com/menschenjagd ; Menschenjagd NZZ vom 16.09.2012

    Das gleiche als PDF-Datei
    http://www.vgt.ch/justizwillkuer/gestapo-in-der-Schweiz-nzz_am_sonntag-2012-09-15.pdf

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    Gruß Sabine

  11. Eine Mutter postet das Foto ihrer kleinen Tochter – und Instagram nimmt sie vom Netz

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    Ein kleines Foto mit großer Wirkung – Courtney Adamo staunte nicht schlecht über die Reaktionen auf eine Aufnahme ihrer 19 Monate alten Tochter Marlow, die sie bei Instagram ins Netz stellte: Ein selbstbewusster Rotzlöffel in Gummistiefeln, der seinen Bauchnabel begutachtet. Ein Problem, befand die Foto-und Video-Sharing-App und löschte das Bild. Das Problem: Das Baby hatte sein Shirt hochgezogen, war oben nackig.

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    Courtney Adamo, eine 33-jährige Bloggerin für die Online-Boutique Babyccino Kids mit 40.000 Followern, wurde angeschrieben. Sie habe die Regeln gebrochen, hieß es von Instagram. Adamo gab nicht klein bei. Sie checkte die Vorschriften und meinte: Pornografisch sei das nicht. Stellte das Foto wieder bei Instagram ein – und wurde wenige Stunden später mit einem geschlossenen Account konfrontiert.

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    Vorschriften gegen Nacktes

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    Der Fall Adamo steht beispielhaft für eine der großen Unsicherheiten im Internet: Wie umgehen mit dem vielen Missbrauch von Kinderfotos? Wo endet der Persönlichkeitsschutz und wo beginnt Kinderpornografie?

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    Adama zeigte sich geschockt. Die Mutter von vier Kindern schrieb in ihrem Blog: „Sie ist ein Baby! Das Foto unterscheidet sich nicht von dem eines Babys mit Windeln oder eines Jungen in Badehose. Dies auch nur im Entferntesten für unangemessen zu halten, ist selbst abscheulich.“ Der Kollateralschaden für Adamo: Die vielen Fotos aus den vergangenen vier Jahren waren erstmal weg. Da Adamo im Netz keine Unbekannte ist, erhielt sie rasch Zuspruch; unter den Hashtags „#BringBackCourtneyBabyccino“ und „#savethebelly spring up rapidly“ trommelten ihre Unterstützer für die Öffnung von Adamos Account. So zum Beispiel „@robinandmould“: „Das hat mich den ganzen Tag aufgeregt. Bitte reaktiviert @courtneybabyccino @instagram“, hieß es dort.

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    Kampagnen setzen die Social Medias unter Druck

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    Die Kampagne zeigte Wirkung. Instagram hob die Sperrung von Adamos Konto auf. Ein Sprecher: „Wir anerkennen, dass wir es nicht immer richtig machen. In diesem Fall haben wir einen Fehler gemacht und haben den Account wieder hergestellt.“

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    Letztlich zeigt sich, dass es einen Königsweg beim Abwägen über Fotos nicht gibt, nur die individuelle Prüfung. Und die Korrektur früherer Entscheidungen: Facebook hatte bis vor kurzem Fotos von stillenden Müttern mit ihren Brüsten gelöscht, obwohl die internen Vorschriften diesen Fall nicht explizit nennen. Eine Kampagne ähnlich wie bei Adamo etablierte sich unter „#Freethenipple“ und setzte Facebook erfolgreich unter Druck.

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    Man muss sich auch fragen: Wo beginnt der Missbrauch und was sind seine Dimensionen? Es gehört also Mut dazu, angesichts dieser realen Ängste nicht auf Nummer sicher zu gehen und schnell „nein“ zu denken. Instagram zeigte sich schlussendlich nicht so offen. Adamos Account ging zwar wieder online. Aber das Foto ihrer Tochter blieb dennoch gesperrt.

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    Die, die da der Meinung sind, „dass die Welt nur aus Pädophilen“ besteht,
    die sind die ECHTE Gefahr für die Gesellschaft!
    In der Endkonsequenz führt dieser Wahn zum Hass auf Kinder, und trägt nicht im Geringsten dazu bei die Gesellschaft kinderfreundlicher zu machen.
    Man kann den Menschen nur noch empfehlen sich niemals Kinder anzuschaffen um nicht unter einen Generalverdacht zu fallen, ein Kinderschänder zu sein.

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    Gruß Sabine

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