Besinnung – Teil 2   1 comment

Besinnung Teil 2:

Die weichgespülte Gesellschaft

Wir leben im 21. Jahrhundert und sind es mittlerweile gewöhnt, dass sich die Spitzen verschiedener Nischen immer weiter abrunden und alles auf die Gleichheit des Allgemeinwohls ausgerichtet ist.

Die Radios bedudeln uns tagtäglich mit Geräuschen, die das gemeine Volk allmählich weich in der Birne machen, vormals aggressivere Bands mit gefährlichen Namen wie Revolverheld entschuldigen sich bei ihren Hörern mit Titeln wie “Ich lass für dich das Licht an, obwohl’s mir zu hell ist” und liefern mit ihren Charterfolgen derzeit wohl eines der leuchtendsten Beispiele dafür, wie jämmerlich weiche Waschlappen unsere Generation hervorgebracht hat.

Was ist mit den Kämpfern, die sich Tigern in den Weg stellten, um etwas zu Essen für ihre Familien nach Hause zu bringen? Was ist mit Bands, die mit ihren Texten provozierten und gesellschaftliche oder politische Missstände anprangerten? Was ist mit Musik außerhalb der Norm, der man vom ersten Takt an anmerkt, dass sie etwas zu sagen hat, das dem Tüdeljüdelfuzzi absolut nicht in den Kram passt?

Große Genies wie z.B. der Graf von Unheilig entwickelten sich vom Puppenspieler zur Marionette ihres eigenen Erfolgs und richteten ihre einst auf Einflusshabende gerichtete Kritik nun eigenständig auf dem Scheiterhaufen hin, um Phrasen wie “Ich nehme mir die Zeit, auf die Lichter der Stadt zu sehen und still zu stehen“, “Schneit der Himmel weiße Sterne, werden Wünsche wieder wahr” und anderem Schrott die Ehre zu geben.

Provokation? Fehlanzeige. Wo ist der Schrei, von dessen Inhalt ältere Texte der Band nur so trieften? Wo sind die Anklagen, die z.B. in Hexenjagd offen aufs Blatt geschrieben wurden? Wo sind die Fragen, die der Politik, den Medien, der Masse, den Individuen gestellt wurden, um sie aus ihrem tranceähnlichen Schlaf der Vergessenen zu erwecken und ihnen zu zeigen, dass sie langsam zu fremdgesteuerten Zombies mutieren, die nicht mehr Herr ihrer selbst sind?

Die neue Devise scheint zu sein, bloß niemandem weh zu tun. Klar. Früher fiel man auf die Fresse und wurde von den Umstehenden ausgelacht, weil man selbst zu blöd zum laufen war. Heute? Duckmäusert jeder um einen rum, um bloß nicht ins Gerede zu kommen, denn sobald der Gefallene wieder erste Schritte zu gehen vermag, führen ihn diese alsbald ins nahegelegene Anwaltsgebäude, um herauszufinden, wen man für seine eigene Blödheit am effektivsten verklagen kann.

Und die Politik sitzt daneben, dreht Däumchen und kassiert an dem ganzen Schlamassel ordentlich mit.
Und genau das findet man, wohin immer man seine von Tränen über diese Umstände getränkten Augen wendet.

Herzlich willkommen in der Matrix. Einem unperfekt geschaffenen System, dass ein Gefängnis für deinen Geist darstellt und dir vorgaukelt, dass du wichtig bist, ein Individuum. Dass die Welt dich braucht.

Der Traum vom großen Glück – fast zum Greifen nah. Wenns im Lotto bisher nicht geklappt hat, dann im nächsten Casting zum Superstar, auch wenns schon das 1000ste ist und immer noch keiner gecheckt hat, dass man von diesen Affen hinterher absolut nichts mehr hört, wenn man von dem Dauerbeschuss der Dschungelcampbewohner bei Markus Lanz mal absieht.

Apropos Markus Lanz: Wo sind jetzt eigentlich die Menschen mit Profil im Deutschen Fernsehen? Die, die was zu sagen haben und mit ihren Thesen auch mal Fragen aufwerfen, die nicht in Kuschelwatte eingepackt sind? Wo sind Journalisten, die brisante Themen anpacken und sie dem Volk vorsetzen und es selbst darüber entscheiden lassen, wie man in Zukunft damit verfährt? Wo sind die Aufklärer? Die Anprangerer? Die Sehenden, die ihr Wissen verbreiten und es der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich machen, so wie es im Bildungsauftrag festgelegt ist?

Heidschi Bumbeidschi Volksmusikgeschunkel jagt Massenjournalismus und absurde Diskussionen über Themen, die eigentlich keinen was angehen.

Wenn eine angebetete Fußballtrophäe auf einmal ein paar Millionen Steuern hinterzogen hat, was geht es mich an? Wozu gibt es Judikative & Exekutive, wie man es im Politikunterricht einst gelernt hat? Millionen Menschen erkennen auf einmal, dass sie jahrelang den falschen Gott angebetet haben und schreien auf, wenn auf einmal auffliegt, dass auch er nur ein Mensch ist. Lächerlich.

Und die Medien mockieren sich, brüsten sich mit ihrer Unschuld und führen Hoeneß in allen erdenklichen Mitteln vor. Früher hieß es mal, man redet nicht schlecht über andere ohne deren Beisein. Heute gehört genau das zum guten Ton einer jeden scheinbar seriösen Berichterstattungssendung.

Die immergleichen “Experten” brüsten sich mit ihrer Wortgewandtheit und meinen, nur weil ein paar Quotenmessgeräte grad zufällig auf den Sender eingestellt sind, der eben ihre Konterfeis der breiten Masse zur Verfügung stellt, deshalb etwas darzustellen und die Welt zum Besseren zu bekehren.

Was bringts, wenn jeder darüber quatscht, wie mit Hoeneß umzugehen ist? Was bringts, wenn man durch 170 Sender zappen kann und dabei auf 90 verschiedene Formate trifft, die Hoeneß zum Thema haben? Worauf wollen die hinaus? Dass die anderen Steuersünder Angst kriegen und sich auch selbst anzeigen, damit den Berichterstattenden der Stoff nicht ausgeht? Was bringen die ganzen hochgestochenen Anschuldigungen diverser Nichtskönner gegen Hoeneß denn mir privat als Bürger jetzt? Nichts? Äh … ja, ähm… Jemand noch’n Bier oder so?

Diese elende Weichspülermasche kotzt mich nur noch an. Und diese Farce endet ja nicht beim Fernsehen, sondern geht in unseren Supermärkten weiter. Lightprodukte, weniger Zucker, dafür mehr anderer Schrott, damits wenigstens halb so gut schmeckt. Bioprodukte. In Massen, dass von Bio und regional überhaupt keine Rede mehr sein kann. Hier und da mal ein zwei Siegel erschaffen und zack – kann man seinen Betrieb Bio nennen und die Massenproduktion unter neuem Label mit wesentlich erhöhten Endverbraucherpreisen weiterführen. Somit hat man – zumindest fürs erste – den Sprung der Verteuerung von allem eben grad noch mal gemeistert. Prima. Beförderung!

Keinem fällt auf, dass derartige Massen an Produkten schon rein vom Platz her nicht produziert werden können, um die immens große Nachfrage an Bio zu befriedigen. Heute ist einfach alles Bio, scheiß drauf, der Verbraucher möchte es, wir liefern es. Punktaus. Wer kauft schon Eier von Legebatteriehühnern? Wir möchten Eier aus Bodenhaltung.

Und was steht dann in der Verpackung?

Bodenhaltung Güteklasse A

Die Hennen können sich im Stall frei bewegen. Sie haben Einstreu zum Scharren, Sitzstangen zum Ruhen, Nester zum Eierlegen und ausgesuchtes Futter.

Wahnsinn! Außerdem scheint die Sonne auf ihr Gefieder, sie können sich im Sommer im dorfeigenen Teich baden und werden hinterher von blinden, tibetanischen Kuttenmönchen mit eigens dafür hergestellten Caschmere-Handtüchern trockengerubbelt.

Leute, wacht auf! Der Platz reicht schier nicht dafür, um derartig viele Hennen zu halten, die das Angebot an Eiernachfrage auch nur annähernd decken könnten, so wie es auf den Farbbildern außerhalb der Packung proklamiert wird. Was früher ein herkömmlicher Legebatteriebetrieb war, ist heute ein äh … Legebatteriebetrieb, nur mit Biosiegel oben drauf, weil die Prozentzahl an Zusatzstoffen im gesetzlich kontrollierten Futter um minimale Prozentpunkte gesenkt wurde. Ende aus.

Wir leben also in einer Zeit der Verweichlichung, in der man sich nicht mal mehr eingestehen kann, dass seine Discounter-Billig-Sucht mit Schuld daran ist, dass die Welt heute so ist wie sie ist. Und weil sich das niemand mehr eingestehen kann, dass man selbst Massentierhaltung fördert, in dem man immer wieder solche Produkte kauft und sich über Maßen darüber aufregt, wenn die Preise dafür mal centweise ansteigen, deshalb schreibt man heute eben nicht mehr Massentierhaltung, sondern “Bodenhaltung Güteklasse A” auf die Packungen. Ein paar schöne Fakebilder dazu und fertig ist der Lack.

Sieht toll aus, mutet an und vermittelt einem das Gefühl, etwas gutes für die lieben Hühner getan zu haben. Friede, Freude Eierkuchen mit Eiern aus Bodenhaltung. Wahnsinn.

Wieso zur Hölle kann man nicht einfach mal sagen, was man will? Zu dem stehen, was man tut?

Weil keiner mehr Verantwortung übernehmen will, schon gar nicht für andere und noch weniger für sich selbst. Wie wär’s zum Beispiel damit, einfach mal ein paar Quadratmeter abzustecken und sich selbst ein paar Hühner in den Schrebergarten zu stellen? Dann sieht man auch gleich, wieviel Arbeit so ein Viehzeug macht und überlegt sich, ob man jetzt auch mit 79 Cent pro Dutzend zufrieden wäre. Wer das mal einen Sommer durchgezogen hat, der kennt dann auch die Erträge und wenn man das dann mal durchrechnet, stellt man schnell fest, dass diese ganze Lieblichkeit und aufgesetzte Tierfreundlichkeit nichts anderes als Opium fürs Volk ist, damit dieses einfach seine Fresse hält und alles seinen alten Gang geht. Nur die Bezeichnungen ändern sich kurz und gut aus.

So, und wohin hat uns das alles jetzt geführt? Eigentlich wollte ich über die Lächerlichkeit von einer Hose in der Dose schreiben und mich darüber aufregen, wie schwachmatig es ist, Männern heutzutage Geschenke in Form von Unterhosen zu machen, die mit putzigen Worten wie “Dangerous” auf dem Arsch gekennzeichnet sind – darin gipfelt die Weichheit der heutigen Generation dann schließlich.

Der gestandene Mann der alten Schule ist so ein Weichei geworden, dass man sicherheitshalber schon aufs Unterhöschen textet, wie gefährlich er denn eigentlich ist. Dazu noch ein rosa Handtäschchen und bisschen feuchtigkeitsspendende Gesichtscreme und fertig sind die Führungspersönlichkeiten von morgen.

Na hoffentlich werd ich nicht so alt, dass mich mal einer von denen pflegen muss. Wer weiß, vielleicht gibt’s bis dahin dann das Biograb für systemkritischen Abfall wie mich?

Wie dem auch sei – deine Meinung ist gefragt. Steh deinen Mann (oder emanzipationsweise deine Frau) und sag mir und allen anderen, was du drüber denkst. Dafür steht das Stand your Ground da unten.

Mich interessierts. Wirklich. Ich zweifel nämlich immer häufiger an meinem Verstand und mich würde brennend interessieren, ob es da draußen auch noch andere gibt, denen auffällt, wie flach und verkommen alles geworden ist. Wo seid ihr?

Quelle: Justyphant

.
Fortsetzung von:

Besinnung

.

Gruß Sabine

Veröffentlicht 6. April 2014 von sabnsn in Anstand / Moral / Politik, Politik

Getaggt mit , , ,

Eine Antwort zu “Besinnung – Teil 2

Abonniere die Kommentare per RSS.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: