Gegensätze   Leave a comment

Reinhard Haufe, Besucher der Ausstellung

Doch noch einen weiteren Grund führt das Kulturamt an: In das Rathaus kämen viele Menschen mit Migrationshintergrund, deren religiöse Gefühle durch die Aktfotos nicht verletzt werden sollten.

Zwischen Porträts und Landschaftsaufnahmen klafft deswegen nun an einigen Stellen weiße Wand – für Künstler wie Besucher ein Zeichen von Zensur. „Ich sehe die Freiheit der Kunst in Gefahr”, sagt Ausstellungsbesucher Botke. Das Entfernen der Bilder durch das Rathaus widerspreche dem Absatz, dass jeder Klub selbst entscheidet, was für den Betrachter zumutbar sei.

Auch sein Begleiter Haufe empört sich: „Wir sind ja nicht in der Türkei.” Dass das Bild aus Rücksichtsnahme auf religiöse Befindlichkeiten abgehängt wurde, kann er nicht nachvollziehen: “Da müsste sich unsere gesamte Gesellschaft ändern.”

Vor dem Rathaus an der Bushaltestelle kommt man schell zum Thema. Ein Köpenicker fragt sich, warum gerade diese – wie er findet, keinesfalls pornografischen – Bilder so viel Aufsehen verursacht haben sollen. „Im Schloss Sanssouci stehen überall nackte Statuen rum”, sagt er. Zudem sei ja jedem freigestellt, die Ausstellung zu besuchen. Durch die Aktion des Kulturamts fühle er sich im eigenen Land ausgegrenzt.

„Ich finde das schon interessant nach Böhmermann”, Eine Frau sagt. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier so bald gar nichts mehr dürfen. Wo bleibt die Meinungsfreiheit?”
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Eine nackte Frau probt die Wärme des Wassers

Und dann geschieht es tatsächlich, dass sich auf einem Bild eine „Jeune Baigneuse“ ins Wasser traut, und es ist, als werde ein gänzlich neues Stück gegeben. Die junge Frau steht am Ufer, ein wenig ungelenk, hält einen Fuß ins Wasser – zur Temperaturprobe, wie man es eben so macht.

Und an ihrer Haltung, an den ein wenig verdrückten Wölbungen ihres nackten Körpers, erinnert nichts mehr an die alte Nymphen-Formel. Und wenn die Art, wie Courbet das romantisierende Klischee ernüchtert, als befremdlich empfunden worden ist, dann doch vor allem, weil der Nudismus dieser Bilder das Peinigende nicht verschweigt, von dem ihn die bildnerische Konvention entlasten möchte.

Einer Fachkraft ist ein bisschen langweilig

Derart trainiert ist man schließlich beim „Ursprung der Welt“ angekommen. Die zugehörige Fachkraft steht vom Stuhl auf und setzt sich wieder hin, weil es ihr sichtlich langweilig ist. Der Saaltext schnalzt ein wenig wie einer dieser Zylinderträger in den Romanen von Guy de Maupassant. Freilich muss man den Kulturreisegruppen, die sich Courbet halber in Basel einfinden, kein Hohelied mehr auf die geschlechtliche Schönheit der Frau singen.

Courbet hat den gemalten Schoß ganz ohne Seidenpapier und Schleifchen an der Bestell-Adresse, beim Erotica-Sammler Khalil Bey abgeliefert. Und all die schönen Kunsthistoriker-Bemühungen nehmen dem Bild nichts von der Zumutung, die es immer war und bis heute geblieben ist – auch in den tabulosen Zeiten einer Posthistoire, in der die visuelle Selbstversorgung bei RedTube zum Breitensport geworden ist.

Hier wird nichts mehr verhüllt, hier ist Begehren

Wie Courbet keine Andeutung gelten lässt, wie er das Schamtuch wegzieht, das die Bildgeschichte stets zum Augentrost bereit liegen hatte, wie er den Ausschnitt wählt und scharf einstellt, den Blick lenkt, hinlenkt – bis einem die Grenzverletzung, die voyeuristische Indezenz bewusst wird, und sich Scham- und Schuldempfindungen in die Sensation mischen, das ist rigideste Abkehr von den Zeige- und Darstellungsnormen, die ja Nacktheit und Sexualität nie ohne die probaten ästhetischen Kostüme gelassen haben, auch wenn sie mitunter eng wie Bodies anlagen. Obszön am Bild ist die Verletzung jener Seh-Vereinbarung, die die Körper vor den Demaskierungen des begehrenden, des unbotmäßigen Auges bewahren möchte.

Courbets Körper sind – selbst dann, wenn sie in Haltung und Gebärde auf einen Typus anspielen – sämtlich auf eine anstrengende Weise nackt. Nackt, wie sie es nie in der Bildgeschichte waren. Und dass die Körper das zu wissen scheinen, dass sie die Sehübergriffe zulassen, das macht das Werk zu einem Grundstein im anbrechenden Projekt der Moderne.

Verschleierung ist beim „Ursprung der Welt“ nur noch der Titel

Nackt ist der Mensch geboren, und nackt wird er die Welt wieder verlassen, denn er kann nichts mitnehmen.
Und die Zeit dazwischen ist er ein eigenständiges Individuum mit eigen Gedanken, Empfindungen, Gefühlen, einem eigenen Charisma, eben ein Mensch.
Und kein anderer Mensch hat das Recht ihm das zu verwehren!
Nackt ist weder böse noch unanständig. Wann dann nur in der dreckigen Phantasie einiger . . . . .
Gott hat den Menschen nackt erschaffen. Dann wäre auch Gott ein Schwein.
Er hätte das als Schöpfer garantiert auch anders machen können.
Er hat stattdessen den Menschen Verstand gegeben und dass sie sich vermehren sollen.
Doch ohne Toleranz kann eine Gemeinschaft nicht funktionieren. Jeder Mensch ist ein Individuum.

Nackt ist der Mensch ehrlich und wahr. Man sagt ja auch die nackte Wahrheit.
Nackt kann sich ein Mensch auch nicht so leicht eine Maske aufsetzen.
Es stimmt: nackt kommt der Mensch auf die Welt und nackt verlässt er sie wieder.
Nichts kann er mitnehmen.
Es heißt auch: Kleider machen Leute – also kann man mit Kleidern einen Schein erwecken, der nicht da ist – mehr Schein als Sein.

Nacktheit ist nicht unanständig – unanständig ist nur die schmutzige Phantasie.

Gott hat neben den Menschen auch die Tiere geschaffen. Bei einem Tier fiele einem nie ein zu sagen das Tier sei nackt bzw. irgendetwas dabei zu finden. Es ist wohl auch Gewohnheit, wir sind es gewohnt, dass Tiere nackt sind. Nur die Kultur und eine vor allem religiöse Moral brachte den Menschen dazu sich zu verhüllen. Man sieht, dass solche Menschen, die so etwas einführten oder heute noch haben wollen, eine dreckige Phantasie haben – oder ganz einfach den Mensch unterdrücken wollen, Schuld- und Schamgefühle einreden wollen.

Man muss jeden Menschen so sein lassen wie er ist, wie er sein möchte und wie er sich wohl fühlt.

Ohne Toleranz gibt es keinen Frieden, das wurde uns in der Menschheitsgeschichte ja oft genug demonstriert. Man sieht wie unglaubwürdig Institutionen sind, die von Liebe und Frieden reden, dabei aber millionenfach gemordet haben und dazu auch wahrhaft gotteslästerlich seinen Namen dazu missbrauchten. Wer den Mensch liebt unterdrückt ihn nicht.

Nackt nicht zu toletieren, wäre gleichbedeutend die Wirklichkeit zu negieren, zu leugnen.
Ein Umstand der gefährlich ist. Da man die Welt dann nur noch gefiltert wahrnimmt.
Gefiltert = zensiert im Sinne einer vorgegebenen Scheinrealität.
Jeder Filter ist Zensur und verfälscht die Wirklichkeit.

Es ist unzulässig die Realität (z. B. eine bestimmte Information) zu verbieten, wenn diese einem persönlich missfällt.
Jeder kann dann immer noch für sich selbst entscheiden dies zur Kenntnis zu nehmen oder zu meiden.
Sich aber niemals stellvertretend für andere mokieren. Das ist neben Intoleranz, anmaßend und zugleich eine Entmündigung andere Personen.


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glG. Sabine

Veröffentlicht 3. März 2017 von sabnsn in Politik, Uncategorized

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