„Quo Vadis Veritas“ (Wo gehst du hin, Wahrheit?)   1 comment

Mit Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz sollten sich Journalisten besser nicht anlegen — so zumindest der Plan des Österreichers.

Dass er durchaus selbst gerne in der Medienlandschaft mitmischt, hat er bereits mit seinem Fernsehsender Servus TV bewiesen. Jetzt will Mateschitz auch noch Journalismus machen.  

Wie er in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ verriet, plant er eine Nachrichtenseite, die den Nutzer „näher an die Wahrheit“ bringen soll, weil er die jetzige Medienlandschaft „einseitig und unvollständig“ findet. Wahrheiten / Meinungen werden ausgeblendet, als Fake-News bezeichnet und können sogar strafrechtlich Verfolgt werden.

Das Projekt soll „Quo Vadis Veritas“ (Wo gehst du hin, Wahrheit?) heißen, weil es „ein vollständigeres Bild der Wirklichkeit schaffen“ soll. Außerdem ließ Red Bull mitteilen, dass das Medium „vollkommen unabhängig von Red Bull als auch von Servus TV“ agiere.

In einem vieldiskutierten Interview kündigte er das Projekt an:

Im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ lässt der Red-Bull-Chef durchblicken, worum es sich bei seiner Nachrichtenseite handeln könnte.

Er spricht davon, „dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut“, auch wenn jeder wüsste, was die Wahrheit sei.

Mateschitz wettert gegen die, „die ‚Willkommen‘ oder ‚Wir schaffen das‘ gerufen haben“ und gegen eine „Grüne, die sich mit der Limousine mit dem zusammenklappbaren Fahrrad hinter das Parlament fahren lässt, dort aussteigt und die letzten Meter zum Hohen Haus radelt.“ Er schimpft auf politische Korrektheit und auf eine „selbsternannte sogenannte intellektuelle Elite.“ 

Der 72-Jährige schwadroniert von einer Völkerwanderung, davon, dass die Lage „politisch nicht mehr regulierbar“ sei — „außer man wirkt rechtzeitig den Ursachen entgegen“, so Mateschitz‘ These.

Für ihn ist es alles eine große Verschwörung: „unmündige, kritiklose und verängstigte Staatsbürger“, so Mateschitz.

Die Reaktionen auf das Projekt sind geteilt: Aus der rechtspopulistischen Ecke gibt es über die sozialen Netzwerke Lob, die Mainstream Medien hingegen sehen „Quo Vadis Veritas“ eher kritisch.  Immerhin wird Quo Vadis Veritas über das berichten was vom Mainstream ausgeblendet wird oder worüber der Mainstream Fake-News verbreitet.

.


glG Sabine

 

Veröffentlicht 27. April 2017 von sabnsn in Politik

Getaggt mit , , , ,

Eine Antwort zu “„Quo Vadis Veritas“ (Wo gehst du hin, Wahrheit?)

Abonniere die Kommentare per RSS.


  1. .

    In Deutschland geht es unter dem Rubrum Fake-News-Bekämpfung neben dem kalten Krieg mit Russland vor allem auch um die Verteidigung der EU und der Migrationspolitik der Berliner Regierung gegen „populistische“ Kritik. In diesem Sinne startet gerade – im besten IREX-Geiste – eine Kampagne namens „TruLies – The Truth about Lies on Europe“. Der angelsächsische Titel täuscht; die „Factsheets“ der Kampagne sind in bestem Deutsch abgefasst. Träger sind das Institut für Europäische Politik (iep) und „Das Progressive Zentrum“, beide Berlin. Financier ist die Stiftung Mercator, die auch die Imagekampagne „Ich will Europa“ finanzierte. Schirmherr ist Staatsminister im Auswärtigen Amt Michael Roth.

    .

    Das iep hält sich hinsichtlich seiner Mittelgeber auf der Website bedeckt, aber laut Wikipedia sind „strategische Partner“ des Instituts sowohl das Auswärtige Amt als auch die Europäische Kommission. Das Progressive Zentrum ist ein grün-sozialdemokratisch ausgerichteter „Think Tank“.

    .

    Diese Ansammlung regierungsnaher bis regierungsabhängiger Stellen macht sich nun anheischig, Fake News von echten News zu trennen, mit vorhersehbarem Ergebnis. In aufwendig aufbereiteten „Factsheets“ werden Aussagen von Politikern der AfD und der Linken vermeintlich auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Das geht so weit, dass simple politische Forderungen als „falsch“ gekennzeichnet wurden, etwa die Forderung nach einem Grenzzaun, weil das „eine sehr vereinfachte Forderung“ sei, „die nicht zu Ende gedacht ist“. Früher nannte man so etwas nicht Fake News, sondern eine abweichende Meinung. Adressaten der „Fact“-Sheets sind vor allem Medien und sonstige Multiplikatoren. Ihnen sollen Argumente geliefert werden, um „reale Wahrheiten“ erkennen und „einfache Wahrheiten“ besser entlarven zu können. Einfache Wahrheiten sind solche „die angesichts einer vielfältig komplexen und hoch interdependenten Realität irreführend sind“. Mit anderen Worten: Meinungen, Aussagen und Forderungen sind fake, wenn sie nicht richtig würdigen, welche vieldimensionalen Herausforderungen die besten aller denkbaren Regierungen in Berlin und Brüssel mit ihren Entscheidungen zum Wohle des Volkes in bestmöglicher Weise bewältigen. Sollte eine Auswertung später ergeben, dass Nutzer der TruLies-Factsheets ihre Fähigkeit um 24 Prozent gesteigert haben, verlässliche Informationen von populistischen Vereinfachungen und falschen Meinungen zu unterscheiden, wäre die Parallele zur IREX-Bibliothekar-Kampagne in der Ukraine perfekt. Der Kampf gegen Fake News und falsche Meinungen ist ein Kampf für die Wahrheit der Regierenden.

    .

    Private Zensurgerichte sind im Kommen

    .

    Der neue Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) zur Zensur der sozialen Medien setzt dem Ganzen die Krone auf. Er verlangt allen Ernstes von den sozialen Medien sicherzustellen, dass unverzüglich jemand „prüft, ob der Inhalt rechtswidrig und zu entfernen ist“ und sicherzustellen, dass die entsprechenden Inhalte dauerhaft nicht mehr verbreitet werden können. Bei offensichtlich rechtswidrigen Inhalten hat der Anbieter einen Tag Zeit zu sperren. Interessant sind die nicht offensichtlich rechtswidrigen Inhalte. Hier dürfen sich die Anbieter aus dem Siliziumtal im Sprechen und Anwenden deutschen Rechts üben. Sie werden zu privaten Zensurgerichten, die statt ordentlicher Gerichte abwägen, ob hier die Meinungsfreiheit oder andere Belange überwiegen.

    Dabei macht die im Entwurf enthaltene Berichtspflicht, mit ihrer Formulierung sehr deutlich, dass Löschen und Sperren die Norm sein soll. Je mehr und je schneller gelöscht und gesperrt wird, desto besser steht der jeweilige Konzern da. So ist in den Berichten neben der Anzahl der Beschwerden aufzuführen „die Anzahl der Beschwerden, die im Berichtszeitraum zur Löschung oder Sperrung des beanstandeten Inhalts führten“, ebenso wie die „Zeit zwischen Beschwerdeeingang und Löschung oder Sperrung“. Über Anzahl und Anteil der abschlägig beschiedenen, ungerechtfertigten Beschwerden ist nicht zu berichten. Es sind keine Mechanismen gefordert und vorgesehen um sicherzugehen, dass interessierte Kreise diesen Druck zum Löschen nicht ausnutzen, um mit strategischen Beschwerde-Shitstorms unliebsame Meinungen und Informationen dauerhaft aus den sozialen Medien fernzuhalten. Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Löschungen und zu deren Korrektur sind nicht erwähnt.

    .

    Wenn man gelernt hat, was Washington, Berlin und Brüssel unter Fake News alles verstehen, und wenn man dann in der Begründung von Maas‘ Gesetzentwurf liest, Fake News seien „strafbare Falschnachrichten“ und es seien die Erfahrungen mit Fake News im US-Wahlkampf, die dieses Gesetz notwendig machen, dann ahnt man, was die „strafbaren Inhalte“ alles beinhalten sollen, von denen in dem Gesetzentwurf die Rede ist. Da kein Gericht eingeschaltet wird, um die Rechtswidrigkeit der Inhalte festzustellen, und da man sich vor keinem Gericht dagegen wehren kann, wenn man gleichzeitig in allen wesentlichen soziale Medien zensiert und stummgeschaltet wird, gibt es keinerlei Barriere gegen eine extrem weite Auslegung. Unter die Zensur kann und soll wohl alles fallen, was Regierungsparteien und regierungsfinanzierte Hassrede-Detektoren und Factsheet-Autoren als antieuropäisch, übermäßig vereinfacht, übermäßig kritisch oder um die Ecke gedacht „strukturell“ gegen irgendeine Religion, ein Geschlecht, eine sexuelle Orientierung oder eine Volksgruppe gerichtet klassifiziert.

    .

    Das ist ein totalitäres Big-Brother-Gesetz. Aus dem Kampf gegen Fake News wird so die Oberhoheit des Silicon Valley über die in Deutschland und irgendwann weltweit richtigen und zulässigen Meinungen.

    .


    glG Sabine

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: